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Wiederholte Fehlgeburten (habituelle Aborte)
Definition: Eine Fehlgeburt (Abort)
bedeutet das Absterben eines Embryos oder frühzeitige Geburt eines Kindes
vor Erreichen der Überlebensfähigkeit.
Man unterscheidet bei den Fehlgeburten zwischen den "verhaltenen Aborten"
(missed abortion) und den Fehlgeburten, bei denen es zu einem Fruchtabgang
kommt.
Die im folgenden genannten Ursachen für Fehlgeburten sind in der Lage,
beide Vorgänge auszulösen. Ob es zu einer "missed abortion" oder zu einem
Fruchtabgang kommt, hängt nur unwesentlich von dem Grund der Fehlgeburt
ab, sondern eher von dem Schwangerschaftsalter, in dem es zu einem solchen
Verlust kommt.
Aborte sind ein recht häufiges Ereignis,
11-15% aller durch Ultraschall oder Schwangerschaftstest festgestellten
aller Schwangerschaften enden vorzeitig. Die Anzahl der "Schwangerschaften",
die aber quasi mit der "Regelblutung" oder sogar vorher schon
unbemerkt abgehen, soll etwa 75% betragen. Es ist zwar eine Befruchtung
eingetreten, wiird aber nicht bemerkt.
Von habituellen
Aborten als behandlungsbedürftige Erkrankung
spricht man definitionsgemäß nach drei erlittenen Fehlgeburten in ununterbrochener
Reihenfolge (Definition der Weltgesundheitsorganisation).
Allerdings steigt die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Aborts auch schon
nach ein oder zwei Fehlgeburten an. Nach der dritten Fehlgeburt ist neben
dem Risiko von ca. 35% einer weiteren Fehlgeburt auch die psychische Belastung
enorm.
In Abhängigkeit von den zugrundeliegenden Störungen, kann das Risiko einer
weiteren Fehlgeburt sehr unterschiedlich sein. Es kommt also wirklich
auf den Einzelfall an..
Genetische (durch Erbanlagen bedingte)
Ursachen
Man geht davon aus, daß gut die Hälfte
aller Fehlgeburten, insbesondere die sehr früh eintretenden, genetische
Ursachen haben. Bei Aborten, die noch vor der erwarteten Regelblutung
(also meist unbemerkt) auftreten, gehen die Schätzungen sogar bis 80%.
Die Natur (Evolution) hat es so eingerichtet, daß im Falle von Erbanlagenschädigungen
des Embryo schon in einem sehr frühen Stadium abstirbt, wenn im Falle
der Austragung der Schwangerschaft das Neugeborene nicht lebensfähig wäre.
Details hierzu hat ein anderer niedergelassener Kollege wissenschaftlich
unter beschrieben.
http://www.wunschkinder.net/theorie/ursachen-der-unfruchtbarkeit/fehlgeburt/genetische-ursachen/
Infektionen
Infektionen können einen Abort bewirken, sind jedoch nur selten Ursache
für wiederholtes Abortgeschehen. Eine Ausnahme stellen Spätaborte dar,
bei denen durch eine Besiedlung der Scheide und des Gebärmutterhalses
mit Bakterien eine Eröffnung des Muttermundes mit oder auch ohne Wehentätigkeit
resultiert. Aufgrund unklarer Ursachen (verminderte Immunabwehr?) neigen
einige Frauen zu solchen Infektionen. Letztlich kann jeder Erreger, der
in die Scheide gelangt, einen Abort auslösen. Die natürliche Besiedlung
der Scheide mit Milchsäurebakterien verhindert aber meist eine Ausbreitung.
Wenn die normale Scheidenflora jedoch geschädigt ist, dann ist diese natürliche
Infektabwehr ebenfalls vermindert und Aborte können resultieren. Diagnostik:
Der Frauenarzt/ärztin wird bei entsprechendem Verdacht Abstriche entnehmen
und in einem speziellen Labor auf Erreger untersuchen lassen. Eine direkte
Untersuchung unter dem Mikroskop läßt eine Abschätzung der bakteriellen
Besiedlung sofort zu. Die Messung des Säuregehaltes der Scheide (pH <
4 ist der angestrebte Wert) ist mit speziellen Indikatorstäbchen möglich.
Bei einem hohen Säuregehalt (=niedriger pH) fühlen sich die schützenden
Milchsäurebakterien besonders "wohl" und andere Erreger finden schlechtere
Bedingungen vor. Therapie: Die Behandlung der Infektion kann durch Antibiotika
erfolgen, die in der Schwangerschaft ohne Risiko gegeben werden können
(z. B. Penicillin, Erythromycin oder Cephalosporine). Diese haben allerdings
den Nachteil, daß sie auch die Milchsäurebakterien abtöten. Diese Maßnahme
ist daher nur bei besonders hartnäckigen Erregern zu empfehlen. Ansonsten
reicht auch oft eine Desinfektion der Scheide (z. B. Betaisadonna-Scheidenzäpfchen)
und anschließend eine Wiederansiedlung der schützenden Milchsäurebakterien.
Diese "Laktobazillen" gibt es als Scheidenzäpfchen (z. B. Vagiflor vag.
supp.). Die prophylaktische Behandlung mit Milchsäurebakterien sollte
bei entsprechender Vorgeschichte regelmäßig über die ganze Schwangerschaft
durchgeführt werden (alle 2-3 Tage ein Zäpfchen).
Angeborene Fehlbildungen der Gebärmutter
Die Entwicklung der inneren Geschlechtsorgane der Frau ist ein äußerst
komplexer Vorgang, an dem mehrere Gewebe völlig unterschiedlicher Herkunft
beteiligt sind. Dieser Verschmelzungsprozess während der Entwicklung im
Mutterleib kann unvollständig ablaufen. Dies führt im Erwachsenenalter
zu unterschiedlich ausgeprägten Fehlbildungen der Gebärmutter. Der Uterus
septus (unterteilte Gebärmutter) stellt mit ca. 50% die häufigste Fehlbildung.
Die Wand, die beide Bereiche der Gebärmutterhöhle unterteilt, hat oft
einen nur sehr geringen Anteil von Muskelgewebe. Entsprechend ist die
Blutversorgung dieses Septums (Scheidewand) nicht so gut wie an der eigentlichen
Gebärmutterwand. Nistet sich ein Embryo auf dem Septum ein, dann kommt
es daher oft zu einer Minderversorgung mit Nährstoffen und zu einem Absterben
der Frucht. Die anderen häufigen Fehlbildungen führen seltener zu Fehlgeburten.
Dies liegt daran, daß bei ausgeprägteren Doppelfehlbilldungen die Muskelwand
auch in der Mitte dicker ist und somit funktionstüchtiger hinsichtlich
der Schwangerschaft als das dünne Septum. Etwas überspitzt kann man sagen,
daß das problemlose Austragen einer Schwangerschaft um so wahrscheinlicher
ist, je ausgeprägter die Fehlbildung ist. Diagnostik: Im Vordergrund der
Diagnostik steht die Gebärmutterspiegelung, die zur Abklärung von angeborenen
Fehlbildungen immer auch mit einer verbunden sein sollte. Zumindest die
Gebärmutterspiegelung sollte Bestandteil einer jeden Abortabklärung sein.
Wichtig ist ergänzend auch der Ultraschall, bei dem sich oft einfach ein
Hinweis auf eine Fehlbildung darstellen läßt Therapie: Generelle therapeutische
Vorschläge sind hier sicherlich fehl am Platz. Die Fehlbildungen sind
individuell so unterschiedlich, daß zum einen die Frage:"Muß operiert
werden?" und zum anderen die Frage:"wie wird operiert werden?" nicht beantworten
läßt. Ein Uterusseptum läßt sich meist im Rahmen einer Gebärmutterspieglung
durch die Scheide ohne Bauchschnitt abtragen. Diese Eingriff löst zunehmend
den Bauchschnitt ab, bei dem die Gebärmutterhöhle eröffnet werden muß.
Wenn die Doppelfehlbildung ausgeprägter ist, kommen Aborte seltener vor,
jedoch muß auch hier manchmal operiert werden. Dies geschieht dann in
den allermeisten Fällen mit einem Bauchschnitt.
Myome
Myome sind gutartige Wucherungen der Gebärmuttermuskulatur
und können praktisch an allen Stellen der Gebärmutter vorkommen. Bei Myomen,
die unter der Gebärmutterschleimhaut liegen (submukös) ist eine gehäufte
Anzahl von Aborten bekannt. Andere Lokalisationen sind seltener Ursache
von Aborten, jedoch ist auch bei Myomen, die in der Gebärmutterwand liegen,
eine erhöhte Rate von Fehlgeburten beschrieben worden. Die Ursache liegt
zu einen in einer erhöhten Kontraktionsbereitschaft der Gebärmutter und
bei submukösen Myomen an der Minderversorgung der Embryonen, wenn sie
sich direkt auf dem Myom niederlassen. Diagnostik: Myome lassen sich im
Ultraschall gut darstellen. Ein Nachteil dieser Methode ist jedoch, daß
man nicht genau erkennen kann, wo das Myom liegt und inwieweit die Gebärmutterhöhle
betroffen ist. Es ist daher immer auch eine Gebärmutterspiegelung anzuraten,
möglichst in Verbindung mit einer Bauchspiegelung, um auch die Ausdehnung
an der Oberfläche der Gebärmutter erfassen zu können. Therapie: Wenn der
Verdacht besteht oder gar erwiesen ist, daß Myome Aborte hervorufen, dann
sollten diese operativ entfernt werden. Dies ist bei Befunden, die in
der Gebärmutterhöhle liegen, von unten mit einer operativen Gebärmutterspiegelung
möglich. Bei Befunden, die sich in der Wand befinden, sollte einem Bauchschnitt
der Vorzug gegeben werden. Ergänzend sind medikamentöse Maßnahmen möglich,
die jedoch praktisch nie als alleinige Maßnahme wirksam sind und ein Myom
beseitigen können.
Hormonelle (Mit-)Ursachen
Schilddrüsenstörungen:
Man vermutet ein erhöhtes Abortrisiko bei Patientinnen, welche unter einer
Störung der Schilddrüsenfunktion leiden. Bekannt ist der Zusammenhang
zwischen Schilddrüsenstörungen und Sterilität . Eine erhöhte Abortgefahr
ließ sich in entsprechenden Untersuchungen bisher nicht nachweisen. Oftmals
sind jedoch Antikörper gegen bestimmte Schilddrüsen-Eiweiße vorhanden.
Man vermutet, daß diese ein Hinweis auf eine eine krankhaft erhöhte Immunabwehr
sein könnte, die sich auch bei einer Schwangerschaft negativ auswirken
könnte. Es ist aber in jedem Falle zu empfehlen, bei der Suche nach einer
Abortursache auch die Schilddrüse zu untersuchen und gegebenenfalls zu
behandeln. Dies wird üblicherweise von einem Internisten veranlaßt werden.
Erhöhtes Prolaktin:
Wenngleich auch einige Untersucher den Verdacht äußerten, daß ein Zusammenhang
zwischen erhöhten Prolaktinspiegeln und Aborten besteht, so konnte dieser
letztlich nie bewiesen werden. Zu einer Basisdiagnostik bei wiederholten
Aborten sollte man dieses Hormon jedoch in jedem Fall bestimmen und gegebenenfalls
entsprechende medikamentöse Therapien durchführen.
Gelbkörperschwäche:
Bei Patientinnen, die mit einer Hormonbehandlung bei Sterilitätstherapie
schwanger wurden, ist eine erhöhter Gelbkörperhormonbedarf bekannt. Es
kann in diesem Fall zu Aborten kommen, wenn man nicht eine entsprechende
hormonelle Therapie einleitet. Bei spontan eingetretenen Schwangerschaften
ist diese Problematik eher selten, wiewohl es sicher nichts schadet, einer
Patientin mit Aborten in der Vorgeschichte Gelbkörperhormon zu verabreichen.
Das reine Progesteron wird am besten über die Scheide in den Körper aufgenommen
in Form eines Scheidenzäpfchens. Es gibt auch Hormontabletten, die man
als Scheidenzäpfchen verwenden kann. Dies wird bis zu Abschluß der 12.
Schwangerschaftswoche durchgeführt, da dann die Hormonproduktion vom Mutterkuchen
übernommen wird und eine Unterversorgung ausgeschlossen ist.
Immunologische Gründe für wiederholte
Fehlgeburten
Immunologische (durch die körpereigene Abwehrreaktion bedingte) Ursachen
für Fehlgeburten sind sehr selten. Weil der Sachverhalt kompliziert ist,
würde eine Darstellung hier den Rahmen sprengen.
Psychische Ursachen
Das Ausmaß der psychosomatischen Aspekte bei der Entstehung von Aborten
ist extrem schwer einzuschätzen. Wiederholte Aborte führen zwangsläufig
zu psychischen Problemen, zumindest bei Eintritt einer erneuten Schwangerschaft,
so daß Ursache und Wirkung nicht getrennt werden können. Häufig werden
von der betroffenen Frau die Aborte schuldhaft empfunden, so als hätte
sie nicht "richtig funktioniert". Die Unsicherheit über die eigene Fähigkeit
eine Schwangerschaft auszutragen und der Glaube, daß "irgend
etwas mit mir nicht stimmt" führt zu einer pessimistischen Grundhaltung,
welche möglicherweise eine psychische Basis für weitere Fehlgeburten ist.
In solchen Fällen kann eine psychosomatische Mitbetreuung der Paare wichtig
sein.
Der Erfolg einer psychologischen Betreuung konnte in Studien zweifelsfrei
nachgewiesen werden. Sicherlich ist es nicht immer notwendig, eine geschulten
psychologischen Therapeuten in das Therapiekonzept einzubeziehen, jedoch
ist die ärztliche Anteilnahme und engmaschige Kontrolle der Schwangerschaft
von großer Bedeutung (Faktor Zeit!). Insbesondere der Patientin das Vertrauen
in ihren Körper zurückzugeben und ihr zu einer selbstbewußten Sicherheit
im Umgang mit der Schwangerschaft zu verhelfen, ist auch einem Frauenarzt
möglich.
©
Herbert Wagner, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe,
Eisenbahnstr. 52., 50189 Elsdorf, Tel.: 02274 7927, Fax: 02274 4534
http://www.HerbertWagner.de E-mail:
Herb.Wagner@t-online.de
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