Herbert Wagner
Facharzt für Frauenheilkunde
und Geburtshilfe
Eisenbahnstr. 52
50189 Elsdorf
Tel.: 02274 7927

 

 

 

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Prämenstruelles Syndrom (PMS)

Was ist PMS?
Monat für Monat die Regel vor der Regel, schmerzhafte, geschwollene Brüste (Mastodynie), reizbare Verstimmungen, allgemeine Erschöpfung und einiges mehr. Und woran liegt es? Diese Fragen finden Sie hier beantwortet.

Bis zu 30 % aller Frauen betroffen
Etwa 20 bis 30 Prozent aller Frauen leiden Monat für Monat unter dem prämenstruellen Syndrom, kurz PMS. Das bedeutet, sie leiden unter quälenden, belastenden körperlichen und psychischen Beschwerden, an den "Tagen vor den Tagen". Dabei können Art und Schwere der Beschwerden sehr unterschiedlich sein.

Beschwerden treten 1-2 Wochen vor der Regel auf und klingen mit der Regel ab
Das Wort "prämenstruell" kommt aus dem lateinischen und bedeutet, dass die Beschwerden regelhaft zu bestimmten Zeitpunkten des weiblichen Menstruationszyklus auftreten, nämlich an den Tagen vor (= prä) dem Einsetzen der Monatsblutung (= Menstruation). Die Beschwerden können schon ein bis zwei Wochen vor der Regelblutung beginnen und werden bis zum Einsetzen der Monatsblutung schlimmer. Am ersten oder zweiten Tag der Menstruation klingen die Beschwerden dann wieder ab.

PMS ist keine "Scheinkrankheit"
PMS wird auch heute noch oft als Scheinkrankheit abgetan. Häufig sind Menschen, die die betroffenen Frauen als wehleidig, wenig belastbar oder gar als "Drückebergerin" abtun, über die Vorgänge und Hintergründe nicht informiert. Leider werden auch immer noch in vielen medizinischen "Ratgebern" die Beschwerden des PMS als normale Ankündigung des weiblichen Zyklus dargestellt werden, die eben bei einigen stärker ausfalle, als bei anderen. Dann kommt fatalerweise oft noch hinzu, dass die begleitenden psychischen Symptome überbewertet und im Gegenzug die tatsächlichen organischen Ursachen vernachlässigt werden. So werden betroffene Frauen schnell "in eine Ecke gestellt". Das macht es für sie nicht leichter, mit den Beschwerden umzugehen und ihnen entgegenzutreten.

Ärztliche Behandlung ist notwendig
I
mmerhin ist heute das prämenstruelle Syndrom klar als Krankheitsbild definiert und anerkannt. Fünf Prozent aller fertilen Frauen sind von so schweren Beschwerden betroffen, dass sie medizinische Behandlung benötigen. Fertil bedeutet "fruchtbar" und soll aussagen, dass nur Frauen betroffen sein können, die einem Menstruationszyklus unterworfen sind. Die Erkrankung tritt vorwiegend im Alter von ca. 35 - 45 Jahren auf.Unterschiedlichste Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden, bevor eine eindeutige Diagnose gestellt werden kann.
Um eine gesicherte Diagnose stellen zu können, muss ermittelt werden, ob die Beschwerden stabil und regelhaft nur in bestimmten Phasen des Menstruationszyklus auftreten und danach wieder abklingen. Denn nicht immer steckt hinter den Beschwerden die Krankheit PMS. Es gibt viele Krankheiten, die in ihrem Beschwerdebild dem PMS ähneln können. Zu diesen Erkrankungen gehören: Endometriose, Beschwerden vor Beginn der Wechseljahre, Schilddrüsenfehlfunktion. Hyperaldosteronismus. psychiatrische Erkrankungen. Außerdem müssen normale Menstruationsbeschwerden vom Krankheitsbild PMS abgegrenzt werden. Aus diesem Grunde ist eine sorgfältige Diagnostik erforderlich.

Vielseitigkeit erschwert die DiagnoseWas die Diagnose von PMS erschwert, ist die Tatsache, dass PMS durch eine Vielzahl sehr unterschiedlicher und medizinisch nicht spezifischer Beschwerden charakterisiert ist. Die Symptome sind körperlich, psychisch und auch oft verhaltensbezogen. Hinzu kommt, dass das prämenstruelle Syndrom durch die unterschiedlichsten Ursachen ausgelöst werden kann. Diese Ursachen müssen durch eine gezielte Diagnostik ausgeschlossen werden. Wichtig ist deshalb, dass bei einer Betroffenen die verschiedenen Hormonspiegel ermittelt werden, um festzustellen, ob dort ein Ungleichgewicht vorliegt. Auch die Werte für Prolaktin sollten nicht vergessen werden, denn ein möglicher Auslöser für das prämenstruelle Syndrom ist ein Zuviel des Hormons Prolaktin (vgl. Ursachen).

Ein PMS-Kalender ist eine hilfreiche Methode, die Ursache der Beschwerden zu ermitteln.
Eine zentrale Bedeutung bei der ärztlichen Diagnose ist, neben der Krankengeschichte auch die Ermittlung der Menstruationsgeschichte. Hierzu zählen die Dauer der Menstruation, ihre Regelmäßigkeit, Veränderungen im Zyklus und Zyklusbeschwerden. Es ist nicht immer ganz einfach, dazu die richtigen Hinweise zu liefern. Welche Frau erinnert sich schon so genau daran, wann welche Beschwerden wie aufgetreten sind. Deshalb ist es eine große Hilfe für die Frau und für den Arzt, wenn ein Menstruationskalender oder besser PMS-Kalender geführt wird. In diesen Kalender sollten dann nicht nur die Tage der Menstruationsblutung markiert werden. Auch das körperliche und psychische Befinden sollte notiert werden. Besonderheiten, z. B. Stress im Beruf oder in der Partnerschaft, Ernährung, Belastungen, Schlaf, Aktivitäten sollten ebenso in einem PMS-Kalender Platz finden. Auf diese Weise können auslösende Faktoren für PMS entdeckt werden, die im alltäglichen Leben aufgrund der Gewohnheit nicht bewusst wahrgenommen worden wären.

Symptome bei PMS
Art und Schwere der Beschwerden sind individuell unterschiedlich.
Die Beschwerden bei PMS sind individuell von Frau zu Frau unterschiedlich. Das betrifft nicht nur die Art der Symptome, sondern auch die Schwere. Trotzdem treten Gemeinsamkeiten in der Symptomatik des prämenstruellen Syndroms auf. Es kommt sowohl zu psychischen, als auch zu körperlichen Beschwerden. Charakteristisch für PMS ist, dass die Symptome immer einen typischen Verlauf aufweisen. Sie sind regelhaft und abhängig vom Menstruationszyklus. Besonders belastend sind sie meistens nur vor der Monatsblutung. Mit Beginn der Menstruation klingen die Beschwerden wieder ab.

Zu den körperlichen Symptomen bei PMS gehören:
· Brustschwellung und Empfindlichkeit der Brust (Mastodynie)
· Kopf- und/oder Rückenschmerzen, erhöhte Schmerzempfindlichkeit
· Schlafstörungen
· Müdigkeit, allgemeine Erschöpfung, Lethargie
· Völlegefühl, Verstopfung, Durchfall, Blähungen, Übelkeit und Brechreiz
· Ödeme am Schienbein
· Gewichtszunahme (durch Wassereinlagerungen)
· Hitzewallungen
Als psychische Symptome können auftreten.
· Depressive Stimmung, Hoffnungslosigkeit, Verlust des Selbstwertgefühls
· Erhebliche Stimmungsschwankungen ( Tränenausbrüche, Weinerlichkeit)
· Angst- und Anspannungsgefühle, Nervosität
· Reizbarkeit, Aggressivität, Feindseligkeit
· Gefühl, überfordert zu sein und nichts mehr kontrollieren zu können
· Verlust von Interessen, Lustlosigkeit
· Erschöpfung
· Konzentrationsschwierigkeiten
· Veränderungen im Appetit- und Durstverhalten
Psychische Beschwerden sind kein Grund, das prämenstruelle Syndrom als belanglos abzutun. Sie verursachen einen erheblichen Leidensdruck und sollten nicht einfach hingenommen werden. Psychische Beschwerden können genau so gezielt behandelt werden, wie körperliche Beschwerden.

Von diagnostischer Bedeutung ist die Regelhaftigkeit der Symptomatik.
Beim PMS sollten zumindest einige der genannten psychischen wie auch einige körperliche Beschwerden in ausgeprägter Form und in zunehmendem Schweregrad vor der Menstruation auftreten und mit ihrem Beginn wieder abklingen. Für alle Frauen ist es aber in jedem Fall ratsam, einmal in jedem Zyklus die Brust selbst zu untersuchen. Professionelle Hilfestellung und Anleitung finden Sie im Ratgeber "Selbstuntersuchung der Brust", den Sie jetzt im MedizInfo®Shop - Servicecenter bestellen können.

Ursachen von PMS
Die eigentliche Ursache ist bisher nicht gefunden!!
Zur Zeit kann man noch nicht genau sagen, welche Faktoren dazu führen, dass manche Frauen an PMS erkranken und andere nicht. Wissenschaftlich gesichert ist momentan nur, dass PMS etwas mit dem Menstruationszyklus zu tun hat. Setzt man den Menstruationszyklus medikamentös oder chirurgisch außer Kraft, dann verschwinden auch die charakteristischen PMS-Beschwerden.

Was ist Ursache - und was Wirkung?
Unklar ist ebenfalls, ob die PMS-Symptome direkt von den Geschlechtshormonen ausgelöst werden oder ob sie nur indirekt auf das Beschwerdebild einwirken. Man nimmt allerdings an, dass die Geschlechtshormone indirekt bestimmte Veränderungen anderer Vorgänge beeinflussen, die mit diesen biochemischen Steuerungssystemen zusammenhängen.

Untersuchungen belegen Häufungen
Aus Untersuchungen weiß man bisher nur, dass einige Frauen eine erhöhte Anfälligkeit für PMS zeigen. Ob PMS dann aber auftritt, ist von Faktoren abhängig, die von Frau zu Frau individuell verschieden sind

Die auslösenden Faktoren für PMS sind vielfältigZu den möglichen Faktoren, die PMS auslösen können, zählen:
· Hyperprolaktinämie. Ein erhöhter Prolaktinspiegel führt in vielen Fällen dazu, dass der Gelbkörper nicht funktionsfähig ist. Prolaktin ist ein Hormon aus dem Hypophysenvorderlappen. Es regt das Wachstum der Brustdrüsen an und fördert die Produktion der Milch in den Brustdrüsen.

· Störungen des Schilddrüsensystems
. Herabgesetzte Drüsenfunktion der Nebennieren
· Atypische Candida-albicans-Infektionen (Pilzinfektion)
· Ungleichgewicht von Botenstoffen, z. B. kann dieses Ungleichgewicht dazu führen, dass weniger Progesteron gebildet wird. Im weiblichen Zyklus ist aber das genaue Verhältnis und die zeitliche Abfolge der Produktion von Östrogen und Progesteron von entscheidender Bedeutung
· Gynäkologische Erkrankungen
· Umweltgifte
· Koffein
· Falsche Ernährung (hoher Zuckerkonsum, viel Fett)
· Unangemessene Vitamin- und Mineralstoffversorgung
· Schlafstörungen
· Nahrungsmittelallergien und -empfindlichkeiten
· Klinische Depression
· Geringe körperliche Fitness
· Stressbelastung
· Traumatische Ereignisse und Erlebnisse

Psychische Symptome und hormonelle Schwankungen treten oft gemeinsam aufFast immer sind gleichzeitig mehrere Faktoren verantwortlich. Medizinisch spricht man deshalb von einer multifaktoriellen Erkrankung. Viele der oben genannten Faktoren unterliegen normalen hormonellen Einflüssen. Das hormonelle Steuerungssystem des Menschen im Gehirn, das Hypophysen- Hypothalamus- System, liegt in unmittelbarer Nähe des limbischen Systems. Das limbische System ist für das Empfinden und Verarbeiten von Gefühlen mit verantwortlich. Aus diesem Grunde treten Stimmungsschwankungen und hormonelle Schwankungen oft gemeinsam auf. Das bedeutet im Hinblick auf PMS, dass auch psychische Symptome organischen Ursprungs sein können. Wer mehr über Hormone, ihre Wirkungsweise, ihre Produktionsstätten und über hormonelle Regelkreise wissen möchte, findet umfangreiche Informationen bei http://www.medizinfo.de/endokrinologie.

Interdisziplinäres Herangehen verspricht schnellere Besserung.
Das bedeutet aber auch, dass bei der Behandlung von PMS nicht immer der Gang zum Gynäkologen allein ausreichend ist. Oft empfiehlt es sich, besonders, wenn psychische Beschwerden im Vordergrund stehen, einen Fachmann aufzusuchen. Interdisziplinäre Zusammenarbeit dieser Art wird in den USA schon länger erfolgreich angewandt, während sie in Deutschland noch vielfach unbekannt ist.

© Herbert Wagner, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe,
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