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Polycystische Ovarien und PCO-Syndrom
Polycystische
Ovarien (PCO) sind
definitionsgemäß Eierstöcke, die acht oder mehr Follikelcysten bis maximal
10 mm Durchmesser aufweisen und deren Bindegewebe vermehrt ist. 
Beim PCO-Syndrom (PCOS) handelt es sich nicht um ein einheitliches Krankheitsbild
sondern um eine Gruppe von Symptomen, die einzeln oder in Kombination
miteinander auftreten können. Immer ist bei den Patienten mit PCOS die
Hormonlage auffällig, meist ist eine Vermehrung männlicher Geschlechtshormone
vorhanden.
Bei den Patienteninnen in einer Sterilitätssprechstunde weist jede Vierte
einen erhöhten Wert für männlich Hormone (Androgene) auf -
u. U. auch ohne nachweisbare polycystische Ovarien.
Neben der Vermehrung der männllichen Hormonen bzw. auffälliger
Hormonlage können zum PCO-Syndrom gehören:
Was kann
man sich ganz einfach erklärt unter dem PCOS vorstellen?
Ganz allgemein kann man sagen: es handelt es sich um eine Hormonregulationsstörung.
Wenn ich Patienten in der Praxis das Prinzip erklären muss, versuche
ich es mit folgendem Bild: Die meisten kennen das Prinzip der Temperaturregulation
in einer Mietswohnung: es gibt meist ein kleines Kästchen an der Wand,
den Thermostaten. Dort stellt man die Temperatur ein, z.B. 25 Grad Celsius.
Die Heizung springt an und heizt, bis am Thermostaten 25 Grad erreicht
sind und schaltet sich aus (und wieder an, wenn die Temperatur 22 Grad
beträgt). Jetzt stelle man sich vor: in der Nähe unter dem Thermostaten
würde eine Kerze brennen. Die Heizung ist auf 25 Grad eingestellt, und
im Messfühler des Thermostaten wird diese Temperatur erreicht bzw. überschritten.
Die Heizung wird also nicht anspringen und heizen, obwohl es im Raum
kalt ist. - Übertragen gesehen liegt solch eine Situation beim PCOS
vor.
Wie
entsteht das PCO-Syndrom?
Einfach ausgedrückt: es liegt eine Hormonregulationsstörung
vor, die sich in einem Teufelskreis (circulus vitiosus) immer mehr verstärkt.
Hierbei sind sowohl die regulierenden Hormone für die Heranreifung eines
Eibläschens (LH und FSH) und auch die Hormone Östrogen und das chemisch
verwandte Hormon Testosteron (männliches Hormon) beteilligt. Weiterhin
führt die Ähnlichkeit eines Hormons des Zuckerstoffwechsels zu einem
weiteren "Durcheinander".
Dem PCO Syndrom liegen verschiedene hormonelle und zelluläre Fehlkreisläufe
zugrunde: Die Follikelreifung ist abhängig von der Verstoffwechseleung
(Aromatisierung) bestimmter Vorstufen von Sexualhormonen (C19-Steroide)
in speziellen Bezirken (den Granulosazellen) des Eierstocks. Die Intensität
dieses Prozesses wird durch Androgene abhängig von der Menge des Vorhandenseins
behindert.
Patienten, bei denen das PCO Syndrom auftritt, haben oft in ihrem Stoffwechsel
eine weitere Auffälligkeit. Es betrifft den Zuckedrstoffwechsel bzw.
das Hormon Insulin. Insulin beeinflusst an den Insulinrezeptoren der
Zellmembran den Einstrom von Glucose in das Zellinnere. In einigen Geweben
sind die Zellen nur wenig insulinempfänglich (Insulinresistenz); es
wird darum vermehrt Insulin produziert, das dann in der gesamten Blutbahn
vorliegt. - Im Eierstock erfolgt die Follikelreifung und Steroidhormon-Bildung
durch Stimulation der Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktoren (Insulin-like
Growth Factors (IGF I und II)). Da die Wachstumsfaktoren (IGF) dem Insulin
strukturell sehr verwandt sind, kommt es dort durch die Anwesenheit
von sehr viel Insulin in der Blutbahn zu Wechselwirkungen.
Reifende Follikel bilden normalerweise vermehrt Östrogene. Östrogene
vermindern als Rückkopplung die Bildung von Follikel-Stimulierendem-Hormon
(FSH) in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und bewirken damit eine Senkung
des FSH-Spiegels. Bei ausreichend hohen Östrogenspiegel bildet die
Hypophyse auf Reiz durch eine Gehirnstruktur (Hypothalamus) ein eisprungauslösendes
Hormon (Luteinisierendes Hormon, LH). Das Ovar reagiert auf höhere LH-Spiegel
mit vermehrter Bildung von männlichen Hormonen (Androgenen) zur Stoppung
der Follikelstimulation. Da aber ein sprungreifer Follikel nicht anglegt
ist, wird die LH-Produktion weiter gesteigert und damit auch die Androgenproduktion
in den sog. Theka-Zellen (LH-Wirkung). Auf den Reiz von zuviel an männlichen
Hormonen (Androgenen) kommt es im Ovar zu einer Zunahme der Bindegewebszellen
(Theka-Zellen und Tunica albuginea = Eierstock-Hülle) und damit zu einer
Verstärkung des Mechanismus mit noch viel höheren Androgensynthese.
Da die Androgene im Fettgewebe in Östrogene umgewandelt werden, wird
die Hirnanhangdrüse in der FSH-Produktion unterdrückt und versucht ihrerseits,
durch vermehrte LH-Sekretion einen Eisprung auszulösen. Das muss aber
vergeblich bleiben, weil kein sprungreifer Follikel vorhanden ist.
Andererseits verursacht die LH-Produktion eine gesteigerte Androgenproduktion
in den Eierstöcken, die ihrerseits zu einer Vermehrung der Androgene
bildenden Zellen führt und die Follikelreifung behindert.
Die Insulinresistenz verursacht einen diabetogenen (zuckerkrankähnlichen)
Stoffwewchel, bei dem Glucose in Fette umgebaut werden kann. Es kommt
zu einer Vermehrung des Fettgewebes und damit auch zu einer Erhöhung
der Östrogensynthese aus den bereits vermehrten Androgenen.
Männliche Hormone werden normalerweise durch einen Eiweißstoff (das
Sexual-Hormon-Bindungs-Globulin (SHBG)) gebunden und inaktiviert. Dummerweise
verhindert das vermehrte Vorhandensein von Insulin die Bildung dieses
Eiweisskörpers in der Leber, weshalb die Androgene einen hohen Wirkspiegel
behalten.
Zusammenfassung: Das PCO-Syndrom
basiert also auf einer Follikelreifungsstörung, die ihre Ursache in
einer vermehrten Bildung von männlichen Hormonen (Androgenen) haben
kann und einer verminderten Empfindlichkeit des Eierstockgewebes auf
Insulin.
Die
Wirkungen der übersteigerten Androgenproduktion können sich in einer "Vermännlichung"
der Frau bemerkbar machen - so zu sagen an Haut und Haar.
Das fatale am PCO-Syndrom ist, dass es über die Follikelreifungsstörung
eine Ursache ungewollter Kinderlosigkeit ist, ausbleibende Regelblutungen
verursachen kann und reproduktionswillige Paare belastet.
Daneben können natürlich auch die androgenen Nebenwirkungen an Haut und
Haaren eine erhebliche Belastung für die Frau, ihre Psyche und ihr soziales
Erleben darstellen.
Therapieansätze
- Wie kann man helfen?
Wichtig ist das Therapieziel: Was will man erreichen? (denn prinzipiell
muss man, wenn man unter der Erkrankung leidet, keine Therapie
durchführen). Und: Besteht Kinderwunsch, ja oder nein?
kein Kinderwunsch:
Einnahme einer bestimmten Antibabypille
mit sog. antiandrogenen Wirkstoffen.
Hierdurch werden die köperlichen Merkmale des Zuviels an männlichen
Hormonen (unerwünschter Haarwuchs, unreine Haut, Akne) behandelt.
Der Therapieerfolg stellt sich aber erst nach 4-6 Monaten der Anwendung
des Hormonpräparats ein.
es besteht Kinderwunsch:
Auch wenn keine Behandlung erfolgt, kann eine Schwangerschaft eintreten.
Die Wahrscheinlichkeit pro Zyklus sinkt allerdings von 33% (gesunde Frauen)
auf 3-5%.
Wichtig ist, die Hirnanhangdrüse und die Eierstöcke bezüglich der
PCO-Symptomatik zunächt vorübergehend auszuschalten. Dies geschieht durch
Anwendung von Hormonpräparaten, die wie die Antibabypille wirken.
Es klingt zunächst widersinnig, nicht vorhandene Ovulationen durch
Ovulationshemmer zu beseitigen. Es führt aber dazu, dass der "Teufelskreis"
durchbrochen wird. Nach Absetzen der Hormone entsteht eine Situation,
in der wieder bei "null" angefangen werden kann.
Bei leichten Störungen stellt sich wieder ein regelmäßiger
Zyklus mit Eisprung ein. Dies kann von Dauer sein, es kann sich aber auch
nach mehr oder minder langer Zeit die Hormonregulationsstörung wieder
einstellen.
Kommt es nicht auf natürliche Weise zum Entstehen einer Schwangerschaft,
wird ein stufenweises Konzept möglichst unter Vermeidung eines wahrscheinlichen
Überstimulastionssyndroms empfohlen.
Als Mittel der ersten Wahl wird Clomifen empfohlen. Die kumulativen Schwangerschaftsraten
liegen bei 50%.
Nach erfolgloser Clomifen-Therapie werden reine Gonatrotopine eingesetzt
werden (FSH),
Bei weiterer Erfolglosigkeit empfiehlt sich eine pulsatile GnRH-Therapie,
die die Koppelung zwischen Hypothalamus und Hypophyse unterbricht.
Bei weiterem ergebnislosem Therapie-Verlauf bleibt die chirurgische Intervention
mit laparokopischer Zerstörung der persistierenden Follikel mit modifizierten
Techniken.
Schließlich bleibt noch die Möglichkeit, Eizellen aus unreifen Follikeln
zu gewinnen, und sie in vitro ("Reagenzglas") zur Befruchtungsfähigkeit
heranzuzüchten. Anschließend verfährt man wie bei der IVF- oder ICSI-Methode.
Bei Übergewicht sollte
eine Gewichtsreduktion und Verminderung des Fettgewebes im Vordergrund
stehen, um die gesteigerte Östrogen- und damit auch LH-Synthese zu blockieren.
Bei
diabetogener Stoffwechsellage wird
eine Therapie wie bei Diabetes mellitus Typ II mit oralen Antidiabetika
empfohlen, die die Insulinresistenz am Rezeptor herabsetzen und die IGF-Funktionen
wieder herstellen.
siehe auch www.wunschkinder.net
©
Herbert Wagner, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe,
Eisenbahnstr. 52., 50189 Elsdorf, Tel.: 02274 7927, Fax: 02274 4534
http://www.HerbertWagner.de E-mail:
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