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Was sind Myome?
Myome
sind gutartige Tumore aus glatten Muskelfasern. Dies ist der Muskeltyp,
aus dem auch die Muskelwand der Gebärmutter besteht. Wie aus der Abbildung
zu ersehen ist, können Myome an verschiedenen Stellen der Gebärmutter
entstehen. Nach ihrer Lage in der Gebärmutter unterscheidet man submuköse,
intramurale und subseröse Myome. Ein submuköses Myom liegt direkt unter
der Innenauskleidung der Gebärmutter, dem Endometrium. Manche Myome wachsen
an Stielen, sie werden dann gestielte Myome genannt. Intramurale Myome
liegen innerhalb der Muskelwand der Gebärmutter ("intra" bedeutet
innerhalb und "mural" Wand). Seröse oder subseröse Myome befinden
sich in der Außenschicht der Gebärmutter, direkt unter der äußeren Hülle
der Gebärmutter, der Serosa. Auch subseröse Myome können in gestielter
Form auftreten.Selten können Myome auch im Bandapparat der Gebärmutter
gelegen sein und werden dann intraligamentäre Myome genannt.
Ungewöhnlich starke Blutungen werden üblicherweise
durch submuköse oder intramurale Myome ausgelöst. Becken- und Rückenschmerzen
sowie ein allgemeines Druckgefühl, das bei den meisten Patientinnen auftritt,
werden vorwiegend durch intramurale und subseröse Myome verursacht
Wer bekommt Myome?
Myome können bei jeder Frau vorkommen. Gebärmuttermyome sind die häufigsten
Tumore der weiblichen Geschlechtsorgane. Sie treten bei bis zu 25 % aller
Frauen im gebärfähigen Alter auf und sind mit ungefähr 175 000 Fällen
pro Jahr der häufigste Grund für eine Hysterektomie (Gebärmutterentfernung)
in den USA. Allerdings ist in vielen Fällen, auch wenn Myome Symptome
verursachen, keine Gebärmutterentfernung notwendig.
Die Wahrscheinlichkeit, Myome zu bekommen, ist bei schwarzen Amerikanerinnen
um das 3,2fache höher als bei weißen. Auch zwischen Frauen anderer Abstammung
gibt es geringfügige Unterschiede. Der Grund für dieses erhöhte Risiko
ist nicht bekannt, doch wird angenommen, dass genetische Unterschiede
eine wichtige Rolle spielen. Myome können zwar schon ab dem 20. Lebensjahr
auftreten, doch kommt es bei den meisten Frauen erst mit Ende 30 oder
40 zu Symptomen.
Wie
entstehen Myome
Die Ursache für das Auftreten von Myomen ist nicht geklärt. Myome entstehen
nach der Menarche (erste Regelblutung) und bilden sich nach der Menopause
(letzte Regelblutung) zurück, was darauf hinweist, dass ihre Entstehung
von Hormonen (insbesondere Östrogen) abhängig ist. Allerdings ist der Auslöser
für die Entwicklung eines Myoms nicht bekannt, und auch über die Wechselwirkung
der verschiedenen Hormone und Wachstumsfaktoren weiß man erst wenig.
Nach dem Auftreten eines Myoms ist ihr weiteres Wachstum ebenfalls von Östrogen
und Progesteron sowie möglicherweise weiteren Hormonen abhängig. Die Wachstumsgeschwindigkeit
weist große Unterschiede auf, wobei die genaue Ursache hierfür ebenfalls
nicht geklärt ist. Deshalb ist es sehr schwierig, im Einzelfall Vorhersagen
über den weiteren Verlauf zu treffen.
Symptome
Die meisten Myome verursachen keine Symptome. So
bekommen 25 % aller Frauen im Laufe ihres Lebens Myome, doch treten nur
bei 10 bis 20 % von ihnen Symptome auf. Daher ist nur bei einem kleinen
Teil der betroffenen Frauen eine Behandlung erforderlich.
Symptome
- Verstärkte Regelblutungen
Als häufigstes Symptom treten bei Myomen ungewöhnliche Blutungen
auf, üblicherweise in Form von verstärkten Regelblutungen, meistens verbunden
mit Gerinnselbildung. Dies führt oft zur Anämie (Blutarmut). Der medizinische
Fachausdruck für die verstärkte Regelblutung lautet Menorrhagie. Mit zunehmender
Blutungsstärke entstehen auch vermehrt Gerinnsel. Zur Blutgerinnung kommt
es, weil das Blut länger in der Gebärmutter bleibt, bevor es in die Scheide
abgegeben wird. Beim Abgang der Gerinnsel kann es zu starken Krämpfen
kommen.
Warum Myome verstärkte Regelblutungen auslösen, ist nicht bekannt. Eine
ältere Theorie besagt, dass sich durch Myome die Muskelkontraktion der
Gebärmutter verändert und dass die Gebärmutter dadurch möglicherweise
nicht mehr in der Lage ist, die Blutungsmenge während der Periode zu kontrollieren.
Weiterhin ist gezeigt worden, dass Myome die Venen in der Gebärmutterwand
einengen, was zu einer Erweiterung der Venen der Gebärmutterauskleidung
führt. Mit zunehmendem Druck in den Venen kommt es dann zur Schwellung
der Gebärmutterauskleidung und so zur Verstärkung der Regelblutung. Darüber
hinaus zeichnet sich ab, dass eine Vielzahl von Botenstoffen (Hormone,
Wachstumsfaktoren) beteiligt sind, die offenbar im Unterschied zum normalen
Gebärmuttergewebe in anderer Konzentration und Ausprägung im und um das
Gewebe von Myomen vorhanden sind und die verstärkten Regelblutungen bei
Myom-Patientinnen mit verursachen.
Für durch Myome ausgelöste verstärkte Regelblutungen ist nicht in erster
Linie deren Größe und Anzahl, sondern vielmehr deren Lage entscheidend.
Verstärkte Regelblutungen werden meist durch Myome ausgelöst, die tief
in der Gebärmutterwand wachsen (intramural) oder Myome, die sich direkt
unter der Innenauskleidung der Gebärmutter befinden (submukös). Sehr kleine
Myome in der Gebärmutterwand oder Myome in der Außenschicht der Gebärmutter
(subserös) verursachen üblicherweise keine ungewöhnlichen Blutungen.Da
es viele weitere mögliche Ursachen für verstärkte Regelblutungen gibt,
muss die Diagnostik bei betroffenen Patientinnen eine sorgfältige Erhebung
der gynäkologischen Vorgeschichte sowie eine gründliche körperliche Untersuchung
umfassen. Wenn eine Frau Myome hat, ist damit noch nicht gesagt, dass
diese auch die Auslöser von ungewöhnlichen Blutungen sind. Andere Ursachen
können eine Endometriumhyperplasie (krankhafte Verdickung der Gebärmutterauskleidung),
Endometriumpolypen, Adenomyose oder auch Gebärmutterkrebs sein. Die wahrscheinliche
Ursache kann oft anhand der gynäkologischen Vorgeschichte und körperlichen
Untersuchung ermittelt werden; gelegentlich sind jedoch weiterführende
Untersuchungen erforderlich.
Symptome
- Schmerzen und Druck im Becken
Beckenschmerz ist ein weiteres Symptom. In seltenen Fällen kommt es zur
Degeneration eines Myoms, d. h. zur spontanen Schrumpfung mit Narbenbildung
aufgrund einer verminderten Blutzufuhr. Dies ist ein schmerzhafter Vorgang,
der mehrere Tage oder Wochen andauern kann. Derart heftige Schmerzen sind
jedoch selten. Wegen der Vielzahl möglicher Symptome, mit denen sich Myome
bemerkbar machen können, ist zur Bestätigung der Diagnose immer eine gynäkologische
Abklärung erforderlich.
Wenn es durch Myome zum Druck auf benachbarte Strukturen kommt, äußert
sich dies üblicherweise in einem Druckgefühl oder anderen Beckenbeschwerden
wie einem Schweregefühl, Blähungen, einem dumpfen Schmerz oder einer besonderen
Empfindlichkeit der Myome selbst. Diese Beschwerden können sich bei körperlicher
Betätigung, beim Nachvornebeugen oder während des Geschlechtsverkehrs
verstärken. Mit zunehmender Größe können Myome auf die Nerven drücken,
die das Becken und die Beine versorgen, wodurch Rücken-, Flanken- oder
Beinschmerzen verursacht werden. Patientinnen klagen mit zunehmender Größe
der Myome auch über stärker werdende Krämpfe während der Periode.
Myome können auch auf das Harnsystem
drücken. Dies führt üblicherweise zu häufigem Wasserlassen (mit nächtlichem
Wasserlassen). Darüber hinaus können Myome auch zu einer Inkontinenz (Unvermögen,
den Harn zurückzuhalten) beitragen und in seltenen Fällen den Blasenabfluss
teilweise blockieren, so dass die Blasenentleerung erschwert ist. Gelegentlich
kann eine vergrößerte Gebärmutter auch auf andere Teile des Harnsystems
drücken und so den Harnabfluss aus den Nieren beeinträchtigen. Weiterhin
treten manchmal auch Schmerzen oder Druck im Bereich des Rektums auf.
Viele dieser Symptome treten zyklisch auf und nehmen an den Tagen vor
und während der Regel zu. Bei entsprechender Größe der Myome können die
Schmerzen und Beschwerden jederzeit auftreten.
Myome
und Fruchtbarkeit
Es ist vielfach behauptet worden, dass Myome zu Unfruchtbarkeit und/oder
wiederholten Fehlgeburten führen können. Studien an unfruchtbaren Frauen,
bei denen als einzige Ursache Myome identifiziert werden konnten, haben
gezeigt, dass 40 bis 60 % dieser Frauen nach Myomektomie (chirurgische
Entfernung der Myome ohne Entfernung der Gebärmutter) schwanger werden
konnten. Da jedoch noch keine umfangreichen Studien vorliegen und eine
Unfruchtbarkeit viele Ursachen haben kann, sollten nicht leichtfertig
Myome als Ursache angenommen werden, ohne vorher sorgfältig nach anderen
Gründen zu fahnden.
Risiko
eines bösartigen Tumors bei Myomen
Eine häufig gestellte Frage lautet, ob es sich bei einem vermuteten gutartigen
Myom der Gebärmutter, wenn dieses groß ist, auch um einen bösartigen Tumor
handeln könnte. Die Antwort lautet ja, obwohl solche Tumore, genannt Leiomyosarkome,
äußerst selten vorkommen. Sie treten in etwa einem von 1.000 Fällen auf.
Neuere genetische Untersuchungen machen es unwahrscheinlich, dass diese
Tumore aus vorbestehenden gutartigen Tumoren hervorgehen. Vielmehr scheinen
sie unabhängig von möglicherweise vorhandenen Myomen zu entstehen.
Das Problem besteht darin, dass es ohne chirurgischen Eingriff nicht immer
möglich ist, ein gutartiges Myom von einem bösartigen Tumor zu unterscheiden.
Durch bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Kernspintomographie können
diese Tumore nicht sicher voneinander abgegrenzt werden. Der Verdacht
auf ein Leiomyosarkom wird anhand der Vorgeschichte häufig dann geäußert,
wenn ein mutmaßliches Myom sehr schnell wächst. Doch handelt es sich bei
der Mehrzahl der rasch wachsenden "Myome" um nichts anderes
als gutartige Myome.
Auch mit einer Biopsie lassen sich gutartige und bösartige Tumore der
Gebärmutter nicht sicher unterscheiden, da die Gewebeprobe aus einem eher
gutartig erscheinenden Teil des Tumors stammen kann.
Zuverlässig können bösartige feste Tumore der Gebärmutter nur chirurgisch
nachgewiesen werden. Dies geschieht entweder durch alleinige Entfernung
der Myome (Myomektomie) oder durch Hysterektomie. Bei Leiomyosarkomen
besteht die primäre Behandlung in der Hysterektomie mit chirurgischer
Entfernung der Lymphknoten im Bereich der Gebärmutter.
modifiziert
nach Quelle: Charite Berlin
©
Herbert Wagner, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe,
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