![]() |
Herbert
Wagner
|
||||||||||
|
|
Haarausfall
Die Haare fallen aus, was soll ich tun? Es
soll hier nicht um die eindeutig einer Krankheit zuzuordnenden Formen
von Haarausfall aufgrund seltener Ursachen gehen: bei Schilddrüsenerkrankungen,
bei Nebennierenerkrankungen, bei Hirnanhangsdrüsenstörungen, bei Diabetes
und Leberfunktionsstörungen (Leberglatze), durch Strahlenschäden, durch
Infektionskrankheiten der Kopfhaut, mechanisch bedingter Haarausfall
durch Druck oder Zug - Ebenso nicht behandelt werden der sogenannte
kreisrunde Haarausfall, bei dem in einem umschriebenen Areal alle Haare
ausfallen, während die übrigen Haare nicht betroffen sind.
Haarausfall hat jeder Mensch. Bis zu 100 Haare
verlieren wir pro Tag und bilden sie natürlich auch wieder neu. Erst
wenn diese Zahl deutlich überschritten wird, bzw. lichte Stellen sichtbar
werden, sprechen wir von Haarausfall. Während der anlagebedingte Haarausfall (androgenetische Alopezie) bei Männern ganz überwiegend zu "Geheimratsecken", zu einer "Tonsur", oder im ausgeprägten Falle zu einer "Glatze" führt, tritt dieses Muster bei Frauen nur selten auf. Häufiger kommt es hier zu einer Ausdünnung des Haarbestandes im Scheitelbereich bei normaler Haardichte im Schläfen- und Hinterkopfbereich. Fast 40% der Frauen sind von diesem Phänomen betroffen, allerdings in unterschiedlicher Ausprägung. Bei Männern beginnt der Haarausfall oft schon in den Mittzwanzigern, wohingegen bei Frauen zumeist erst im 5. Lebensjahrzehnt Veränderungen auftreten und insgesamt nicht so ausgeprägt sind wie beim Mann. Das Haar wird zwar dünner, aber richtig kahle Stellen treten nur selten und meist sehr spät auf. Unser Haarwachstum ist hormonell durch die Geschlechtshormone gesteuert. Dies wird offenbar, wenn man die Körperbehaarung von Mann und Frau vergleicht. Hormone sind die Botenstoffe unseres Körpers. Sie haben die wichtige Aufgabe, Organfunktionen und Stoffwechselleistungen zu regulieren. Dieses Meldesystem wird üblicherweise in sehr engen Grenzen zuverlässig kontrolliert. Wie auch beim Mann basiert die Alopecia androgenetica auf einer anlagebedingten Empfindlichkeit der Haarwurzeln auf die männlichen Geschlechtshormonen, den Androgenen, die auch bei jeder Frau in niedrigen Konzentrationen vorhanden sind. Durch die somit verstärkte Wirkung der Androgene kommt es zu einer Verkürzung des Lebenszyklus des einzelnen Haares. Während die Wachstumsphase normalerweise 2-6 Jahre beträgt, sinkt sie hier auf etwa 1 Jahr. Da ein Haar nur 10-12 x nachwachsen kann, kommt es auf diese Art verfrüht zum endgültigen Ausfall des Haares. Hierbei wird der Haarwurzel durch Einengung mit Bindegewebe die Blutzufuhr abgeschnitten, so dass der Prozess nach dem Ausfall des Haares im wesentlichen unumkehrbar ist.Wie oben bereits erwähnt, beginnt die androgenetische Alopezie oft erst in der Zeit der Wechseljahre, wenn die vom Körper produzierten weiblichen Geschlechtshormone (Östrogene) absinken und die Androgene das Übergewicht gewinnen. Der langfristige Verlauf der Alopecia androgenetica ist nicht vorhersehbar: Sie kann zeitweilig zum Stillstand kommen und dann wieder einen aktiven Schub durchlaufen. Welche Ausprägung im Einzelfall eintreten wird, hängt von der ererbten Veranlagung ab. Eine erhöhte Menge von Androgenen im Körper und daraus resultierender Haarausfall können grundsätzlich vielschichtige Ursachen haben. Es kann sich zum Beispiel um die unerwünschte Wirkung eines Arzneimittels handeln. Einige Verhütungsmittel enthalten zum Beispiel Hormone mit androgener Restwirkung. Sollte es hierdurch zum Auftreten von Haarausfall kommen, ist der Wechsel auf ein anderes Präparat ratsam. Die Alopecia androgenetica ist nicht die Folge einer Infektionskrankheit oder einer anderen körperlichen Störung. Auch die immer wieder vermutete Auslösung durch "Stress" trifft hier nicht zu. Eine "schleichende Vergiftung" z.B. durch Umweltschadstoffe oder Chemikalien am Arbeitsplatz liegt ebensowenig vor wie eine "Ernährungsstörung". Durch eine Änderung von Lebensweise und Ernährung lässt sich der Verlauf der androgenetischen Alopezie nicht beeinflussen. Eiweißreiche Kost oder die Einnahme von Multivitaminpräparaten, Eisentabletten, Gelatinekapseln, Kieselerde, Hefetabletten usw. ist daher zumeist überflüssig. Eine starke Fettabsonderung der Kopfhaut (Seborrhoe) und auch Kopfschuppenbildung können mit einer androgenetischen Alopezie zusammen auftreten. Sie sind nicht die Ursache des Haarausfalls, können den haarschädigenden Prozess jedoch unterstützen. Bei einer androgenetischen Alopezie ist es unerheblich, ob das Haar lang oder kurz getragen wird. Auch die Häufigkeit des Haareschneidens, die Art der Kopfbedeckung oder das Tragen einer Perücke ist ohne Bedeutung für den weiteren Verlauf. Kosmetische Pflegemaßnahmen haben wenig Einfluss auf den Verlauf der Haarerkrankung, können jedoch die aktuelle Ausprägung des Befundes beeinflussen. Zu häufiges Kämmen, Bürsten oder Fönen des Haares und häufiges Haarewaschen können den Haarschaft beeinflussen und gegebenenfalls zu einer zusätzlichen Schädigung des Haares führen. Dies gilt entsprechend für Haarspülungen, Haarsprays, Haartönung, Dauerwellen, Haarfärbungen und Blondiermittel. Trotzdem sollten Frauen mit androgenetischer Alopezie hierbei keine übermäßigen Bedenken haben, sondern das Haarstyling vielmehr ganz bewusst einsetzen, um das kosmetische Ergebnis zu optimieren. So kann z.B. durch Frisurenwahl und durch geschickte Anwendung von Dauerwellen und Haarsprays dem Haar eine vermehrte Fülle gegeben werden, um die Haarausdünnung im Scheitelbereich zu verdecken. Für Frauen mit androgenetischer Alopezie besteht die Möglichkeit einer innerlichen Behandlung mit einem Gegenspieler des männlichen Geschlechtshormons, zumeist in Form der Antibabypille, oder einer äußerlichen Hormonbehandlung mit weiblichen Geschlechtshormonen bzw. ähnlichen, aber kaum im Körper hormonell wirksamen Wirkstoffen wie 17-α-Estradiol in Form von Kopfhaut-Tinkturen. Es werden auch Kombinationspräparate mit Kortison und mit Kortison und Salicylsäure angewandt. Einen anderen therapeutischen Ansatz verfolgt Aminexil, das der Verdickung bzw. Verhärtung der Kollagenfasern entgegen wirkt und somit eine bessere Ernährung der Haarwurzel erreichen soll. In Deutschland eher unüblich ist die Behandlung mit Tabletten aus anderen Anwendungsbereichen, welche vermehrten Haarwuchs als Nebenwirkung aufweisen (z.B. Cimetidin - eingesetzt u.a. bei Magenschleimhautgeschwüren, Spironolacton - eingesetzt u.a. bei Lebererkrankungen mit Ödemen und Aszites, Flutamid - eingesetzt u.a. bei Prostatakrebs, Ketokonazol - eingesetzt als Antimykotikum). Diese Präparate sind für den Einsatz bei Haarausfall nicht zugelassen und können z.T. auch Haarausfall verursachen. Eher möglich ist hingegen eine äußerliche Anwendung von Kaliumcanrenoat, dem oben genannten Spironolacton entsprechend (als Trockensubstanz, aufbereitet in einem entsprechenden Lösungsmittel). Die antiandrogenen Eigenschaften dieser Substanz sind in mehreren Studien belegt. Auch für äußerlich angewendetes Ketoconazol belegen Veröffentlichungen eine Wirksamkeit bei androgenetischer Alopezie, welche jedoch noch in großen klinischen Studien bestätigt werden muss. Alle aufgeführten Therapieformen müssen langfristig durchgeführt werden. Die äußerliche Behandlung hat kaum Nebenwirkungen, sie ist jedoch in ihrer Wirksamkeit weniger intensiv als eine innerliche Behandlung. Ein Erfolg kann oft erst nach 3-6 Monaten festgestellt werden. Eine zwischenzeitlich durchgeführte Haaranalyse (Trichogramm) kann evtl. schon früher eine Wirkung nachweisen und somit motivierend für die Fortführung der Behandlung wirken. Ist
die androgenetische Alopezie weiter fortgeschritten und auch durch kosmetische
Maßnahmen nicht mehr zu verdecken, kann das Tragen eines Haarteiles
oder einer Perücke sinnvoll sein. Eine besondere Methode besteht darin,
das Haarteil in Form eines Netzes an den vorhandenen Haaren zu befestigen
(sogenanntes "Hair-weaving"). Dieses Haarteil ist dann fest
mit den eigenen Haaren verknüpft, bleibt also auch nachts oder z.B.
unter der Dusche auf dem Kopf. Eine entsprechende Fachberatung erhalten
Sie bei Zweithaarspezialisten (Perückenhäusern, Haarstudios), die Ihnen
auch die verschiedenen Arten des Haarersatzes an Musterstücken veranschaulichen
können. Nach Vorlage eines ärztlichen Attestes erhalten Sie ggf. eine
Kostenübernahmeerklärung Ihrer zuständigen Krankenkasse, die damit einen
bestimmten Grundbetrag des von Ihnen gewählten Haarersatzes übernehmen
kann. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Ernährungsbedingter Haarausfall Unsere Haarfollikel gehören mit zu den teilungsaktivsten Zellen des Körpers. Hierfür ist ein hoher Stoffwechselumsatz erforderlich, der seinerseits Nährstoffe (Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate), Vitamine und Spurenelemente benötigt. Vielfach können von diesen Substanzen keine Depots gebildet werden, der Körper ist dann auf eine kontinuierliche Zufuhr angewiesen. In Mangelsituationen kann es daher zu Haarausfall kommen. In den reichen Industrienationen sind echte "Mangelzustände" jedoch eine Seltenheit und Haarausfall in den meisten Fällen nicht ernährungsbedingt. Allgemeiner NährstoffmangelEine generelle Mangelzufuhr an Nährstoffen kommt bei Kindern im Rahmen von Hungersnöten vor. Vergleichbar sind die Konsequenzen bei einer Eiweißmangelerkrankung der Entwicklungsländer, dem Kwashiokor. Aber
auch Wurmerkrankungen und Nährstoffaufnahmestörungen infolge Darmoperationen
bzw. Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) können ein
allgemeines Nährstoffdefizit bedingen, dass zum Ausdünnen und schließlich
zum Ausfallen der Kopf- und Körperbehaarung führt. In den entwickelten
Ländern treten Nährstoffmangelsymptome bei Alkoholismus und im Rahmen
künstlicher Ernährung auf. Auch einseitige oder übermässige Diätkuren
können einen Haarausfall bedingen, der oft auch Monate nach Beenden
der Diät noch anhält. Vitamin A-Mangel verursacht Sehstörungen, ausgetrocknete Haut und Haarwachstumsstörungen. Aber auch eine Überdosierung mit der Folge einer Vitamin A-Vergiftung kann zu Haarausfall führen. Bei der Sicherstellung einer ausreichenden Vitamin A-Zufuhr ist auf die gleichzeitige Einnahme von Fetten, die mechanische Zerkleinerung von carotinreichen Gemüsen und die ausreichende Garung zu achten. Nicht Rohkost, sondern Leber, Butter und fetter Käse sowie Karotten, Spinat, Grünkohl, Chicoree und Broccoli steigern die Vitamin A-Versorgung. MineralstoffmangelAlle einzelnen Nahrungsbestandteile sind in ihrer Wirkung eng mit den anderen verwoben. Eisen, Kupfer und Vitamin C z.B. ergänzen sich bei ihrem Effekt auf das Haarwachstum. Haarausfall durch Eisenmangel kann besonders Frauen im Rahmen der Monatsblutung betreffen. Bei Eisenmangel helfen Fleisch, Fisch und Vitamin C-reiche Kost. Exzessiver Kaffee- und Teegenuss sowie der Konsum von Molkereierzeugnissen verstärken einen Eisenmangel. Wenn die alleinige Nahrungsumstellung nicht ausreicht, ist die Einnahme eines Eisenpräparates erforderlich, die grundsätzlich nüchtern erfolgen sollte. Unerwünschte Wirkungen einer Eisenmedikation sind Magen-Darm-Störungen wie z.B. Verstopfung (Obstipation). Eine Überdosierung ist besonders bei Kindern unbedingt zu vermeiden. Kupfermangel führt zu Haarbildungsstörungen mit dünnen zerbrechlichen Haaren. Kupferreiche Kost besteht u.a. aus Getreidevollkornerzeugnissen, Haferflocken, Weizenkeimen, Hülsenfrüchten, Trockenobst, Nüssen, Sonnenblumenkernen, Leber und Trockenhefe. Zinkmangel ist besonders bei vegetarischen Ernährungsformen ein Problem, da Zink vor allem in Fleisch, Käse, Milch und Eiern enthalten ist. Das in Getreideerzeugnissen enthaltene Zink ist bei eiweissarmer Ernährung weniger gut aus dem Darm aufzunehmen. Zinkmangel führt zu Hautentzündungen, schlecht heilenden Wunden und Haarausfall. Ist eine medikamentöse Zinkgabe erforderlich, so sollte darauf geachtet werden, dass bei der gleichzeitigen Gabe von Eisenpräparaten die Zinkausnutzung im Darm verschlechtert ist. Grundsätzlich
kann bei allen Formen der Mangelernährung eine medikamentöse Substitution sinnvoll sein, z.B. wenn eine Nahrungsumstellung
kurzfristig oder generell nicht möglich ist Die Möglichkeiten äußerer Einflüsse auf das Haarwachstum sind vielfältig und die Liste möglicher auslösender Stoffe umfangreich. Eine medizinisch abgesicherte klinische Bedeutung kommt jedoch im wesentlichen den unerwünschten Medikamentenwirkungen und einigen wenigen Schwermetallvergiftungen zu. Medikamentös bedingter Haarausfall setzt akut, Wochen bis Monate nach Beginn der Medikamenteneinnahme ein und ist zumeist mit der gleichen zeitlichen Verzögerung nach Absetzen des Medikamentes rückgängig. Der Haarausfall ist diffus, betont häufig die Scheitelregion und ist für gewöhnlich nicht vollständig. Am bekanntesten ist der Haarausfall als Nebenwirkung der Zytostatika, die in Chemotherapien bei Krebserkrankungen eingesetzt werden. Aber auch viel häufiger eingesetzte "Allerweltspräparate" wie Anti-Baby-Pille, Blutdrucksenker, Fettsenker, Antibiotika, Epilepsiemedikamente, Antidepressiva, Schilddrüsenmedikamente und last but not least (Kopf-)Schmerzmedikamente zählen den Haarausfall zu ihren unerwünschten seltenen Wirkungen. Diese Aufzählung muss in Anbetracht der großen Zahl betroffener Medikamente lückenhaft bleiben. Die Abklärung, ob ein eingenommenes Medikament als Ursache eines Haarausfalles in Frage kommt, kann im Einzelfall nur der behandelnde Arzt vornehmen. Akute Vergiftungen durch Umweltgifte, wie z.B. Blei, Thallium, Cadmium, Arsen, Kupfer, Quecksilber sind hierzulande Seltenheiten. Die möglichen pathologischen Wirkungen des in Amalgamfüllungen enthaltenen Quecksilbers sind Gegenstand heftiger Diskussionen, ohne dass bisher ein allgemein anerkannter wissenschaftlicher Beweis für die eine oder andere Theorie gefunden werden konnte. Beim diffusen Haarausfall werden vom Patienten häufig äußere Stressfaktoren als Auslöser genannt. Hier sind Ursache und Wirkung zu trennen: Natürlich stellt auch der Haarausfall für sich einen Stressfaktor dar. Die chronologische Abfolge sollte daher kritisch durchleuchtet werden. Inwieweit bei bewiesener chronologischer Beziehung auch wirklich eine ursächliche Beziehung vorliegt, wird in vielen Fällen nicht mit letzter Sicherheit zu erkennen sein. Im Zweifel muss daher bei ausgeschlossenen "körperlichen" Ursachen auch die psychische Auslösung eines diffusen Haarausfalles in Betracht gezogen werden. Eine Verkürzung der Haarlänge, bzw. eine mehr oder weniger umschriebene oder auch diffuse Haarlichtung kann infolge schädigender Einflüsse am Haarschaft entstehen. Äußere Einflüsse auf die Haarstruktur sind Sonnenlicht, Austrocknung, Salzwasser, Dauerwelle, Bleichen, Färben, intensive mechanische Schädigung durch Bürsten oder Toupieren, Drehen, Glätten. Auch häufiges Waschen insbesondere bei Verwendung ungeeigneter Waschmittel schädigt das Haar Manchmal kommt es auch 2-4 Monate nach einer Schwangerschaft zum oft dramatisch empfundenen Haarausfall, der jedoch nach wenigen Monaten von alleine zum Stillstand kommt und die Haare wieder nachwachsen. Bedingt ist der Haarausfall durch die Hormonumstellung im Wochenbett. Mit Normalisierung der körpereigenen Hormonproduktion oder der Einnahme einer Antibabypille wird auch der Haarwuchs wieder normal. - In seltenen Fällen können auch androgenproduzierende Tumoren der Eierstöcke oder der Nebennierenrinde entsprechende Veränderungen bedingen.
|