Basisinformationen
bei bestehender Schwangerschaft
Schwangerschaft ist ein normaler zeitlich begrenzter
Zustand von Frauen. Während dieses Zeitraums treten viele normale Veränderungen
auf, allerdings auch andere körperliche Veränderungen, die der
Mutter oder dem Ungeborenen Schaden können. Mit der Mutterschaftsvorsorge
sollen die nicht gewollten körperlichen Veränderungen erfaßt
werden.
Vorsorgeuntersuchungen:
bis zur ca. 28. Schwangerschaftswoche alle 4 Wochen, 28. - 37. Schwangerschaftswoche
alle 2 Wochen, 37. - 40. Schwangerschaftswoche wöchentlich.
Schwangerschaftsdauer:
Rechnung der Frauenärzte: Frauenärzte rechnen vom 1. Tag der
letzten Periode (als verläßlichstem Datum) an. Daraus ergibt
sich rechnerisch eine Schwangerschaftsdauer von 40 Schwangerschaftswochen
( = 280 Tage). Da die Befruchtung meistens 14 Tage nach dem 1. Tag der
letzten Monatsblutung stattfindet, ergibt sich eine tatsächliche
Schwangerschaftsdauer von 38 Schwangerschaftswochen ( = 266 Tage). Im
folgenden wird immer nach Mutterpaß- (Frauenarzt-)Schwangerschaftswochen
gerechnet.
Faustregel zur Berechnung des Geburtstermins: 1. Tag der Periode plus
9 Monate plus 7 Tage = vorraussichtlicher Geburtstermin.
Rechnung in Monaten:
| Monat |
Woche |
Monat |
Woche |
| 1 |
bis 6. |
6 |
25 - 28 |
| 2 |
6 - 10/11 |
7 |
29 - 32 |
| 3 |
10/11 - 15 |
8 |
33 - 36 |
| 4 |
16 - 20 |
9 |
37 - 40 |
| 5 |
21 - 24 |
|
|
Ernährung:
Wenn Sie sich bisher gesund und ausgewogen ernährt haben,
sollten sie dies auch weiterhin tun. Insgesamt sollten Sie etwas wählerischer
sein, was sie essen. Die Ernährung in der Schwangerschaft sollte
reich an Eiweiß, Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen sein,
Kohlenhydrat wie sonst auch, der Fettanteil sollte vermindert sein. Ballaststoffreiche
Ernährung (ersatzweise Milchzucker) wirkt der oft sehr lästigen
Verstopfung in der Schwangerschaft entgegen. Fleisch sollte generell sicherheitshalber
nur durchgebraten verzehrt werden. Zur Zeit empfiehlt man die generelle
Vitaminunterstützung der Ernährung mittels speziell auf die
Schwangerschaft abgestimmter Präparate. Auch die generelle Nahrungsergänzung
durch Jod ist notwendig. Durch die Zuführung von Folsäure wird
das Risiko, an sog. Neuralrohrdefekten ("offener Rücken")
minimiert. Zumeist ist dies alles in speziell auf die Schwangerschaft
abgestimmten Präparaten enthalten. (Sie sind leider nicht verordnungsfähig;
Tageskosten: 0,05 €) Nahrungsergänzungsstoffe
in der Schwangerschaft
Gewichtszunahme:
Bis zur 30. Schwangerschaftswoche beträgt die normale Gewichtszunahme
4-5 kg, erst danach erfolgt die weitere Gewichtszunahme von 5 - 8 kg.
Normale Gesichtszunahme in der Schwangerschaft : 9 - 13 kg. Eine weitere
Gewichtszunahme schlägt sich nach der Schwangerschaft als Fettpölsterchen
nieder.
Medikamente:
Medikamente in der Schwangerschaft sollten Sie am besten nur nach frauenärztlicher
Rücksprache bzw. Verordnung einnehmen. Für einige Erkrankungen
gibt es Medikamente, die man ohne Bedenken anwenden kann. Unbedenklich
sind u.a.: Paracetamol, sämtliche Nasentropfen, (Hals-)Lutschtabletten,
pflanzliche Medikamente.
Genußmittel:
1. Rauchen: In der Schwangerschaft
sollte nicht geraucht werden. Wenn man raucht und erfährt, daß
eine Schwangerschaft besteht, sollte man mit dem Rauchen ganz aufhören.
Schafft man dies nicht, sollte so wenig wie möglich geraucht werden.
Mit dem Rauchen sinkt unter anderem der Sauerstoffgehalt des Blutes, dadurch
kann sich neben der Schadstoffbelastung eine Minderversorgung des Kindes
mit Sauerstoff ergeben. - 2. Alkohol:
Generell sollten während der Schwangerschaft keine alkoholischen
Getränke getrunken werden. Einige Wissenschaftler halten Alkohol
zu besonderen Gelegenheiten für bedenkenlos, einige halten schon
den Alkohol in der Nahrung für gefährlich.
Berufliche Tätigkeit:
Die Schwangere muß dem Arbeitgeber über die bestehende Schwangerschaft
bis zur 14. Schwangerschaftswoche informiert haben. Für sie gelten
dann die Mutterschaftsschutzrichtlinien. Hierin werden ganz bestimmte
Anforderungen an den Arbeitsplatz von Schwangeren gestellt, die der Arbeitgeber
(nach Benachrichtigung) einhalten muß. Bei einer unkomplizierten
Schwangerschaft sollte dies so früh wie möglich erfolgen.
Urlaub, Reisen:
Die günstigste Zeit, in der Schwangerschaft Urlaub zu machen, ist
von der 12. - ca. 24. Schwangerschaftswoche. Es passieren in dieser Zeit
die wenigsten Regelwidrigkeiten, der Schwangerschaftsbauch ist noch nicht
hinderlich und man hat normalerweise keine Beschwerden. Urlaubsgebiete
mit erhöhter Ansteckungsgefahr für Infektionskrankheiten sollten
gemieden werden. Ab der 28. Schwangerschaftswoche befördern einige
Fluggesellschaften keine Schwangere mehr.
Sport:
In der Schwangerschaft nichts übertreiben. Die Ausübung von
Sportarten, die mit Erschütterungen einher gehen, wird mit wachsendem
Bauch unangenehm. Schwimmen, Wandern, Radfahren (Sturzgefahr minimieren)
sind der Fitneß in der Schwangerschaft förderliche Sportarten.
Sport in der Schwangerschaft
Risikoberatung:
Ein erhöhtes Risiko für eine kindliche Erkrankung kann bestehen,
wenn in der Verwandtschaft der Schwangeren als auch in der Verwandtschaft
des Partners Auffälligkeiten bestehen. Auffälligkeiten wären
unter anderem: Geburt eines Kindes mit "Mongoloismus" (eigentlich
M. Down) oder anderer noch seltenerer Schädigungen der Erbanlagen,
vererbbare seltene Stoffwechselerkrankungen, Geburt eines Kindes mit erkennbarer
Fehlbildung in der Verwandtschaft beider Partner, das möglicherweise
bald nach der Geburt verstorben ist; Schwangere älter als 37 Jahre.
- Falls Auffälligkeiten bestehen, sollte das Kind noch im Mutterleib
besser untersucht werden. Hierzu wären die Fruchtwasseruntersuchung
in der ca. 16. Schwangerschaftswoche und eine spezielle Ultraschalluntersuchung
in der 20.- 22.Schwangerschaftswoche geeignet.
Schwangerschaftsgymnastik
/ geburtsvorbereitender Kurs:
Gerade wenn man das erste Kind erwartet, besteht viel Informationsbedarf
über den Ablauf der Geburt, die Zeit danach und den Umgang mit dem
Säugling, die im ärztlichen Gespräch meist zu kurz kommen.
Für die Geburt selbst kann es von großem Wert sein, wenn man
bestimmte Atemtechniken und Entspannungsübungen beherrscht als auch
durch gymnastische Übungen die Muskulatur des Beckenboden trainiert.
Ansprechpartner: das Krankenhaus, in dem die Entbindung geplant ist, Hebammen
in Elsdorf
Krebsfrüherkennungsuntersuchung:
normalerweise wird bei Feststellung der Schwangerschaft ein Krebsfrüherkennungsabstrich
des Gebärmutterhalses entnommen. Wenn Sie nicht angesprochen werden,
war alles in Ordnung.
Ultraschalluntersuchungen:
Die Mutterschaftsrichtlinien sehen 3 Ultraschalluntersuchungen bei unkomplizierter
Schwangerschaft vor: 9.-12. Schwangerschaftswoche, 18.-22.Schwangerschaftswoche,
29.-32. Schwangerschaftswoche.
Blutentnahmen:
Die Mutterschaftsrichtlinien sehen Blutentnahmen nach Feststellung der
Schwangerschaft und während des Schwangerschaftsverlaufs zu bestimmten
Zeitpunkten vor, auf die Sie immer wieder hingewiesen würden.
CTG (=Cardio-Tokographie=
"Wehenschreiber"):
ab ca. der 28. Schwangerschaftswoche (in Ausnahmefällen auch vorher)
ist es sinnvoll, diese Untersuchung durchzuführen. Sie dient dazu,
möglicherweise auftretende Wehen frühestmöglich zu erkennen,
und auf Grund des Frequenzmusters des kindlichen Herzschlags das Wohlbefinden
des Kindes zu dokumentieren.
Geburtstermin:
zum errechneten Geburtstermin kommen die wenigsten Kinder zur Welt. Ohne
das etwas krankhaft ist, kann der Geburtstermin um 14 Tage überschritten
werden.
Normaler Gewichts- und Längenverlauf in
der Schwangerschaft:
| Woche |
Gewicht
in Gramm |
Länge
in cm |
Woche |
Gewicht
in Gramm |
Länge
in cm |
| 12 |
|
9 |
27 |
750
|
32 |
| 13 |
|
10,5 |
28 |
900
|
33 |
| 14 |
|
12 |
29 |
1100 |
34 |
| 15 |
|
13 |
30 |
1350 |
36 |
| 16 |
|
14 |
31 |
1550 |
38,5 |
| 17 |
|
15 |
32 |
1750 |
40 |
| 18 |
|
16,5 |
33 |
2000 |
41 |
| 19 |
|
18 |
34 |
2250 |
42,5 |
| 20 |
|
19,5 |
35 |
2500 |
47 |
| 21 |
|
21 |
36 |
2650 |
48 |
| 22 |
|
23 |
37 |
2800 |
49 |
| 23 |
400 |
25 |
38 |
3050 |
50 |
| 24 |
500 |
27 |
39 |
3250 |
50,5 |
| 25 |
550 |
29 |
40 |
3400 |
51 |
| 26 |
600 |
30,5 |
|
|
|
Alle Maße sind circa - Maße
Übriges
Leibschmerzen:
Leibschmerzen können in der Schwangerschaft aus vielen Gründen
auftreten. Gebärmutterwachstum: durch die Vergrößerung
der Gebärmutter können die Mutterbänder angespannt werden,
ziehende Schmerzen in der Leiste sind die Folge. Verdauungstrakt: bedingt
durch die Hormonveränderung in der Schwangerschaft arbeitet der Darm
anders; gegen Ende der Schwangerschaft werden die Verdauungsorgane eingeengt;
auch eine Magen-Darm Infektion ist in der Schwangerschaft möglich.
Wehenbereitschaft: ab ca. der 24. Schwangerschaftswoche treten normale
nicht schmerzhafte Verhärtungen der Gebärmutter bis zu ca. 12
Mal pro Tag (oft abends) auf.
Nicht normal sind schmerzhaft empfundene Zusammenziehungen der Gebärmutter.
Skelettsystem:
bedingt durch die Größenzunahme der Gebärmutter tritt
eine unwillkürliche Änderung der Körperhaltung ein. Hierdurch
können Rückenschmerzen entstehen. Im weiblichen Becken sind
mehrere Knochen fest durch Knorpel miteinander verbunden. Durch die Schwangerschaftshormone
werden die knorpeligen Verbindungen etwas lockerer; dies führt manchmal
(gerade am Schwangerschaftsende) zu Schmerzen beim Gehen oder Aufstehen.
Geschlechtsverkehr:
Rein organisch gesehen ist Geschlechtsverkehr in der Schwangerschaft jederzeit
möglich und erlaubt. Hormonell bedingt jedoch ändert sich in
den verschiedenen Phasen der Schwangerschaft das sexuelle Empfinden. Gegen
Ende der Schwangerschaft ist das sexuelle Verlangen meist wenig ausgeprägt.
- Kein Geschlechtsverkehr: bei Blutungen,
bei vorzeitigen Wehen.
Sinnvolle
Untersuchungen über die gesetzliche Mutterschaftsvorsorge hinaus
©
Herbert Wagner, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe,
Eisenbahnstr. 52., 50189 Elsdorf, Tel.: 02274 7927, Fax: 02274 4534
http://www.HerbertWagner.de E-mail:
Herb.Wagner@t-online.de
|