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Polycystische Ovarien und PCO-Syndrom
Polycystische
Ovarien (PCO) sind
definitionsgemäß Eierstöcke, die acht oder mehr Follikelcysten bis maximal
10 mm Durchmesser aufweisen und deren Bindegewebe vermehrt ist.
Beim PCO-Syndrom (PCOS) handelt es sich nicht um ein einheitliches Krankheitsbild
sondern um eine Gruppe von Symptomen, die einzeln oder in Kombination
miteinander auftreten können. Immer ist beim PCOS allerdings eine Hyperandrogenämie
(Vermehrung männlicher Geschlechtshormone) vorhanden.
Anders sieht die Verteilung bei Patientinnen in der Sterilitätssprechstunde
aus. Von ihnen weist jede Vierte einen erhöhten Wert für männlich
Hormone (Androgene) auf - u. U. auch ohne nachweisbare polycystische
Ovarien.
Neben der Hyperandrogenämie gehören oder können zum PCO-Syndrom gehören:
Typisch
für PCO sind die im Ultraschall darstellbaren vielfachen Follikel (Eibläschen)
bei vergrößerten Ovarien. Ein dominanter oder Leit-Follikel, aus dem
dann die Eizelle springt, fehlt häufig. Daraus resultieren Zyklen ohne
Eisprung, das Ausbleiben der Regelblutung und Unfruchtbarkeit (Infertilität).
Wie entsteht das PCO-Syndrom?
Einfach ausgedrückt: es liegt eine Hormonregulationsstörung
vor die sich in einem Teufelskrei (circulus vitiosus) immer mehr verstärkt.
Hierbei sind sowohl die regulierenden Hormone für die Heranreifung
eines Eibläschens (LH und FSH) und auch die Hormone Östrogen
und das chemisch verwandte Hormon Testosteron (männliches Hormon
beteilligt). Weiterhin führt die Ähnlichkeit eines Hormons
des Zuckerstoffwechsels zu einem weiteren "Durcheinander".
Dem PCO Syndrom liegen verschiedene hormonelle und zelluläre Fehlkreisläufe
zugrunde: Die Follikelreifung ist abhängig von der Verstoffwechseleung
(Aromatisierung) bestimmter Vorstufen von Sexualhormonen (C19-Steroide)
in speziellen Bezirken (den Granulosazellen) des Eierstocks. Die Intensität
dieses Prozesses wird durch Androgene abhängig von der Menge des
Vorhandenseins behindert.
Patienten, bei denen das PCO Syndrom auftritt, haben oft in ihrem Stoffwechsel
eine weitere Auffälligkeit. Es betrifft den Zuckedrstoffwechsel
bzw. das Hormon Insulin. Insulin beeinflusst an den Insulinrezeptoren
der Zellmembran den Einstrom von Glucose in das Zellinnere. In einigen
Geweben sind die Zellen nur wenig insulinempfänglich (Insulinresistenz);
es wird darum vermehrt Insulin produziert, das in der gesamtenBlutbahn
vorliegt.
Im Eierstock erfolgt die Follikelreifung und Steroidhormon-Bildung durch
Stimulation der Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktoren (Insulin-like Growth
Factors (IGF I und II)). Da die Wachstumsfaktoren (IGF) dem Insulin
strukturell sehr verwandt sind, wird deshalb deren Wirkung am Eierstock
ebenfalls behindert.
Reifende Follikel bilden normalerweise vermehrt Östrogene. Östrogene
vermindern als Rückkopplung die Bildung von Follikel-Stimulierendem-Hormon
(FSH) in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und bewirken damit eine Senkung
des FSH-Spiegels. Bei ausreichend hohen Östrogenspiegel bildet die
Hypophyse auf Reiz durch eine Gehirnstruktur (Hypothalamus) ein eisprungauslösendes
Hormon (Luteinisierendes Hormon, LH).
Das Ovar reagiert auf höhere LH-Spiegel mit vermehrter Bildung von Androgenen.
Da aber ein sprungreifer Follikel nicht anglegt ist, wird die LH-Produktion
gesteigert und damit auch nur die Androgenproduktion in den Theka-Zellen
(LH-Wirkung). Auf den Reiz von Androgenen kommt es im Ovar zu einer
Zunahme der Bindegewebszellen (Theka-Zellen und Tunica albuginea = Eierstock-Hülle)
und damit zu einer noch höheren Androgensynthese. Im Fettgewebe der
Frau werden Androgene zu Östrogenen umgebaut.
Da die Androgene im Fettgewebe in Östrogene umgewandelt werden, wird
die Hirnanhangdrüse in der FSH-Produktion unterdrückt und versucht ihrerseits,
durch vermehrte LH-Sekretion einen Eisprung auszulösen. Das muss aber
vergeblich bleiben, weil kein sprungreifer Follikel vorhanden ist.
Andererseits verursacht die LH-Produktion eine gesteigerte Androgenproduktion
in den Eierstöcken, die ihrerseits zu einer Vermehrung der Androgene
bildenden Zellen führt und die Follikelreifung behindert.
Die Insulinresistenz verursacht einen diabetogenen (zuckerkrankähnlichen)
Stoffwewchel, bei dem Glucose in Fette umgebaut werden kann. Es kommt
zu einer Vermehrung des Fettgewebes und damit auch zu einer Erhöhung
der Östrogensynthese aus den bereits vermehrten Androgenen.
Männliche Hormone werden normalerweise durch einen Eiweißstoff
(das Sexual-Hormon-Bindungs-Globulin (SHBG)) gebunden und inaktiviert.
Dummerweise verhindert die Insulinresistenz die Bildung dieses Eiweisskörpers
in der Leber, weshalb die Androgene einen hohen Wirkspiegel behalten.
Zusammenfassung:
Das PCO-Syndrom basiert also auf
einer Follikelreifungsstörung, die ihre Ursache zum einenn einer Insulinresistenz
des Ovarialgewebes und/oder in viel stärkerem Maße in einer
vermehrten Bildung von Androgenen haben kann.
Die
Wirkungen der übersteigerten Androgenproduktion können sich in einer "Vermännlichung"
der Frau bemerkbar machen - so zu sagen an Haut und Haar.
Das fatale am PCO-Syndrom ist, dass es über die Follikelreifungsstörung
eine Ursache ungewollter Kinderlosigkeit ist, ausbleibende Regelblutungen
verursachen kann und reproduktionswillige Paare belastet.
Daneben können natürlich auch die androgenen Nebenwirkungen an Haut und
Haaren eine erhebliche Belastung für die Frau, ihre Psyche und ihr soziales
Erleben darstellen.
Therapieansätze
- Wie kann man helfen?
Wichtig ist das Therapieziel: Was will man erreichen (denn prinzipiell
muss man, wenn man unter der Erkrankung leidet, keine Therapie
durchführen). Und: Besteht Kinderwunsch, ja oder nein?
kein Kinderwunsch:
Einnahme einer bestimmten Antibabypille mit sog. antiandrogenen Wirkstoffen.
Hierdurch werden die köperlichen Merkmale des Zuviels an männlichen
Hormonen (unerwünschter Haarwuchs, unreine Haut, Akne) behandelt.
Der Therapieerfolg stellt sich aber erst nach 4-6 Monaten der Anwendung
des Hormonpräparats ein.
es besteht Kinderwunsch:
Wichtig ist, die Hirnanhangdrüse und die Eierstöcke bezüglich der
PCO-Symptomatik zunächt vorübergehend auszuschalten. Dies geschieht durch
Anwendung von Hormonpräparaten, die wie die Antibabypille wirken.
Es klingt zunächst widersinnig, nicht vorhandene Ovulationen durch
Ovulationshemmer zu beseitigen. Es führt aber dazu, dass der "Teufelskreis"
durchbrochen wird. Nach Absetzen der Hormone entsteht eine Situation,
in der wieder bei "null" angefangen werden kann.
Bei leichten Störungen stellt sich wieder ein regelmäßiger
Zyklus mit Eisprung ein. Dies kann von Dauer sein, es kann sich aber auch
nach mehr oder minder langer Zeit die Hormonregulationsstörung wieder
einstellen.
Kommt es nicht auf natürliche Weise zum Entstehen einer Schwangerschaft,
wird ein stufenweises Konzept möglichst unter Vermeidung eines wahrscheinlichen
Überstimulastionssyndroms empfohlen. Als Mittel der ersten Wahl wird Clomifen
empfohlen. Die kumulativen Schwangerschaftsraten liegen bei 50%. Nach
erfolgloser Clomiphen-Therapie werden reine Gonatrotopine eingesetzt werden
(FSH), wobei allerdings ein ovarialles Überstimulationssyndrom und ungewünschte
Mehrlingsschwangerschaften vorprogrammiert sein können.
Bei weiterer Erfolglosigkeit empfiehlt sich eine pulsatile GnRH-Therapie,
die die Koppelung zwischen Hypothalamus und Hypophyse unterbricht. Hier
sind häufiger Einlingsschwangerschaften zu erwarten und das Fehlen eines
Überstimulationssyndroms. Nach erfolgter Down-Regulierung wird allerdings
eine Stimulationstherapie erfolgen, die wieder Überstimulationssyndrome
und Mehrlingsschwangerschaften zur Folge haben kann.
Bei weiterem ergebnislosem Therapie-Verlauf bleibt die chirurgische Intervention
mit laparokopischer Zerstörung der persistierenden Follikel mit modifizierten
Techniken. Schließlich bleibt noch die Möglichkeit, Eizellen aus unreifen
Follikeln zu gewinnen, und sie in vitro ("Reagenzglas") zur Befruchtungsfähigkeit
heranzuzüchten. Anschließend verfährt man wie bei der IVF- oder ICSI-Methode.
Bei Übergewicht sollte
eine Gewichtsreduktion und Verminderung des Fettgewebes im Vordergrund
stehen, um die gesteigerte Östrogen- und damit auch LH-Synthese zu blockieren.
Bei
diabetogener Stoffwechsellage wird
eine Therapie wie bei Diabetes mellitus Typ II mit oralen Antidiabetika
empfohlen, die die Insulinresistenz am Rezeptor herabsetzen und die IGF-Funktionen
wieder herstellen.
©
Herbert Wagner, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe,
Eisenbahnstr. 52., 50189 Elsdorf, Tel.: 02274 7927, Fax: 02274 4534
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