Chlamydieninfektion
Die Chlamydieninfektion gehört zu den häufigsten sexuell übertragbaren
Erkrankungen. Die Erkrankung bleibt oft unbemerkt, weil häufig keine
oder nur leichte Beschwerden auftreten. Unbehandelt kann eine Clamydieninfektion
jedoch zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen wie z.B. Unfruchtbarkeit
führen.
Wie kommt es zu einer Chlamydieninfektion?
Chlamydien (Chlamydia Trachomatis) sind Bakterien, die verschiedene Infektionskrankheiten
hervorrufen können. Sie werden durch Geschlechtsverkehr (vaginal
oder anal) sowie durch oralen Sex übertragen.
Die Bakterien können sich in den Zellen des Gebärmutterhalses
(Eingang zur Gebärmutter), der Harnröhre, des Enddarms und Afters
und manchmal des Rachens und der Augen ansiedeln.
Um sich anzustecken ist ein direkter Kontakt erforderlich, wie er vor
allem bei sexuellen Praktiken mit "Schleimhaut zu Schleimhaut-Kontakt"
entsteht.
Junge Frauen und Männer sind häufiger von der Infektion betroffen.
Prinzipiell kann sich jedoch jeder und jede durch sexuelle Kontakte anstecken.
Die Infektion kann aus dem Genitalbereich
auf die Augen übertragen werden. Eine schwangere Frau kann die Infektion
an ihr Kind weitergeben. Eine Übertragung ist auch möglich,
wenn Sexspielzeug gemeinsam verwendet wird.
Bislang ist nicht abschließend geklärt, ob die Infektion auch
über Sperma oder Vaginalflüssigkeit an den Fingern von einer
Person auf die Genitalien einer anderen übertragen werden kann. Gleiches
gilt für das Aneinanderreiben der Genitalien.
Nicht infizieren können Sie sich durch Küssen, eine Umarmung,
gemeinsames Baden, über Schwimmbäder, Toilettenbrillen oder
gemeinsam benutzte Handtücher, Tassen, Teller oder Besteck.
Wie kann ich mich
vor einer Chlamydieninfektion schützen?
o Benutzen Sie Kondome (Männer und Frauen!) - bei jedem Vaginal oder
Analverkehr. Der korrekte Gebrauch von Kondomen bietet einen zuverlässigen
Schutz.
o Benutzen Sie beim Oralsex ein Kondom oder für die weiblichen Genitalien
ein "Dental Dam" (dünnes Latextuch, das zwischen Mund und
Scheide gelegt wird).
o Vermeiden Sie es, Sexspielzeuge (z.B. Vibratoren oder Dildos) gemeinsam
zu benutzen oder schützen Sie diese jeweils mit einem neuen Kondom.
Auf diese Weise können Sie sich auch vor einigen anderen sexuell
übertragbaren Krankheiten wie HIV/Aids und Gonorrhöe (Tripper)
schützen. Wenn Sie bereits mit Chlamydien infiziert sind, ohne es
zu wissen, verringern diese Maßnahmen auch das Risiko, dass Sie
die Erreger an andere weitergeben.
Welche Symptome
können auftreten?
Symptome können sich ein bis drei Wochen nach dem Kontakt mit Chlamydien
zeigen, viele Monate später oder auch überhaupt nicht, bis die
Infektion in anderen Körperregionen auftritt. Bei mindestens der
Hälfte aller Frauen und Männer verursacht eine Chlamydieninfektion
überhaupt keine Symptome.
Folgende Anzeichen können auf eine Infektion hinweisen:
Frauen
o ungewöhnlicher Ausfluss aus der Scheide
o Schmerzen beim Wasserlassen
o Zwischenblutungen (auch bei Frauen, die hormonell verhüten)
o Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr
o Schmerzen und/oder Blutungen beim Geschlechtsverkehr
o Schmerzen im Unterbauch
Männer
o weißer/weißlicher und wässriger Ausfluss aus dem Penis
o Schmerzen beim Wasserlassen
o schmerzhafte Schwellung der Hoden
Bei einer Infektion des Enddarms treten selten
Symptome auf, doch kann es zu einem dumpfen Schmerz und Ausfluss bei Männern
wie bei Frauen kommen. Bei einer Infektion der Augen könnten Sie
Schmerzen, Schwellungen, Irritationen und eine vermehrte Bildung von Tränenflüssigkeit
(Bindehautentzündung) bemerken. Eine Infektion des Rachens zeigt
normalerweise keine Symptome.
Wenn Sie glauben, Sie könnten eine Chlamydieninfektion haben, lassen
Sie sich untersuchen. Ermutigen Sie Ihre Partnerin/Ihren Partner, sich
ebenfalls untersuchen zu lassen.
Ich habe keine
Symptome. Soll ich mich untersuchen lassen?
Wenn keine Symptome vorliegen, lässt sich eine Chlamydieninfektion
nur durch einen Test ausschließen. Vielleicht haben Sie auch ohne
Infektionszeichen den Wunsch nach einer Untersuchung auf Chlamydien.
Dies kann der Fall sein zum Beispiel wenn:
o Sie oder Ihre Partnerin/Ihr Partner kürzlich mit neuen PartnerInnen
ungeschützten Geschlechtsverkehr hatten.
o Sie im letzten Jahr mehrere SexualpartnerInnen hatten.
o bei einer gynäkologischen Untersuchung feststellt wird, dass Ihr
Gebärmutterhals Entzündungszeichen aufweist oder dass Sie Ausfluss
haben.
o Eine Geschlechtspartnerin oder ein Geschlechtspartner Ihnen mitteilt,
dass sie oder er eine sexuell übertragbare Krankheit hat.
o Bei Ihnen eine andere sexuell übertragbare Krankheit festgestellt
wird.
Beachten Sie bitte: Wenn keine Symptome vorliegen, werden die Kosten für
eine Untersuchung auf Chlamydien nicht von den Krankenkassen übernommen.
Wann kann ich einen
Test durchführen lassen?
Eine Chlamydieninfektion zeigt sich in einem Test schon ein paar Tage,
nachdem Sie mit den Erregern in Kontakt gekommen sind.
Wie wird der Test
durchgeführt?
Abstriche mit einem kleinen Wattestäbchen können während
einer gynäkologischen Untersuchung aus dem Gebärmutterhals gemacht
werden (oder aber an der Harnröhre, dem Enddarm oder After, dem Rachen
oder den Augen). Der Abstrich dauert nur ein paar Sekunden und ist normalerweise
nicht schmerzhaft. Der Nachweis erfolgt über spezielle labordiagnostische
Methoden.
Eine Chlamydieninfektion lässt sich nicht feststellen durch Routine-Blutabnahmen
oder durch die jährlich empfohlene Krebsvorsorge-Untersuchung bei
der Frauenärztin/dem Frauenarzt.
Wie sieht die Behandlung
bei einer Chlamydieninfektion aus?
Im frühen Stadium ist es einfach, eine Chlamydieninfektion zu behandeln.
In der Regel werden Antibiotika gegeben. Hierfür stehen unterschiedliche
Antibiotika zur Verfügung. Wenn die Infektion bereits weiter fortgeschritten
ist oder wenn Komplikationen auftreten, können weitere Therapiemaßnahmen
notwendig werden.
Bei einigen der Antibiotika, die für die Behandlung von Chlamydieninfektionen
eingesetzt werden, kann es zu Wechselwirkungen mit oralen hormonellen
Schwangerschaftsverhütungsmethoden (Pille) kommen.
Wie erfolgreich
ist die Behandlung?
Die Heilungschancen sind sehr gut, wenn die verordneten Medikamentein
der vorgeschriebenen Dosierung und Dauer eingenommen werden. Vermeiden
Sie vaginalen, analen und oralen Geschlechtsverkehr während der Behandlung,
da Sie sich neu infizieren können. Anderenfalls verwenden Sie in
jedem Fall ein Kondom.
Was passiert, wenn
ich eine Chlamydieninfektion nicht behandeln lasse?
Ohne Behandlung kann es zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen kommen. Bei
Frauen kann eine Chlamydieninfektion die inneren Fortpflanzungsorgane
in Mitleidenschaft ziehen und Entzündungen im Beckenbereich hervorrufen.
Dies kann zu chronischen Schmerzen im unteren Bauchraum, zu verklebten
Eileitern, zu Schwangerschaften außerhalb der Gebärmutter und
zur Unfruchtbarkeit führen. Eher selten kann eine Chlamydieninfektion
die Leber betreffen und dort Entzündungen hervorrufen.
Bei Männern kann die Ausbreitung der Infektion zu Nebenhoden und
Prostataentzündung führen. Auch Harnröhrenverengungen sind
als Folge einer Chlamydieninfektion möglich. In seltenen Fällen
können Gelenkentzündungen (reaktive Arthritis) auftreten, die
in manchen Fällen mit Entzündungen der Harnröhre und der
Augen einhergehen ("Reiter Krankheit").
Kann eine Chlamydieninfektion
ohne Behandlung ausheilen?
Es ist sehr unwahrscheinlich, dass eine Chlamydieninfektion ohne Behandlung
ausheilt. Wenn Sie die Infektion nicht behandeln oder die Behandlung hinauszögern,
riskieren Sie Langzeitschäden. Zudem könnten Sie die Infektion
an andere übertragen.
Wie kann ich feststellen,
ob eine Chlamydieninfektion meine Fruchtbarkeit in Mitleidenschaft gezogen
hat?
Die Fruchtbarkeit wird von vielen Faktoren beeinflusst. Nach einer Chlamydieninfektion
muss deshalb nicht zwangsläufig ein Fruchtbarkeitstest durchgeführt
werden. Sollten Sie allerdings seit längerer Zeit erfolglos versuchen
Kinder zu bekommen, können Sie mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt klären,
ob und welche Untersuchungen zur Diagnostik durchgeführt werden sollten.
Verursacht eine
Chlamydieninfektion Gebärmutterhalskrebs?
Nach aktuellem Kenntnisstand gibt es keine gesicherten Hinweise dafür,
dass eine Chlamydieninfektion Gebärmutterhalskrebs verursacht.
Was passiert, wenn
ich mich während der Schwangerschaft mit Chlamydien infiziere?
Eine Chlamydieninfektion in der Schwangerschaft kann zu Fehlgeburten oder
Frühgeburten führen. Während der Geburt kann der Erreger
auf das Neugeborene übertragen werden und bei diesem sowohl eine
Augen- als auch eine gefährliche Lungenentzündung hervorrufen.
Die Untersuchung auf Chlamydien gehört zu den Schwangerschaftsvorsorge-Untersuchungen
und wird bei allen Schwangeren zu Beginn derSchwangerschaft durchgeführt.
Falls eine Infektion vorliegt, wird mit Antibiotika behandelt - dies ist
auch möglich, wenn Sie schwanger sind oder wenn Sie stillen.
Wie erfahre ich,
wie lange ich die Infektion schon habe?
Da häufig gar keine Symptome oder erst mit zeitlicher Verzögerung
auftreten, kann es im Einzelfall schwierig sein, den genauen Zeitpunkt
der Infektion festzustellen. So kann es ungewiss bleiben, ob Sie sich
bei Ihrer/Ihrem gegenwärtigen Partnerin/Partner oder bei früheren
Kontakteninfiziert haben. Diese Unklarheit ist möglicherweise schwer
zu ertragen. Viele Menschen sind geschockt oder wütend, wenn sie
von einer eigenen sexuell übertragbaren Krankheit erfahren und es
fällt ihnen schwer, darüber mit ihrer Partnerin/ihrem Partner
oder mit Freunden zu sprechen. In diesem Fall kann ein Gespräch in
einer Beratungsstelle oder mit dem behandelnden Arzt hilfreich sein.
Sollte ich meine
Partnerin/meinen Partner informieren?
Wenn bei Ihnen eine Chlamydieninfektion festgestellt wurde, sollten sich
alle Personen, mit denen Sie in der letzten Zeit sexuellen Kontakt hatten,
unbedingt testen und - im Fall einer Infektion - auch behandeln lassen.
Brauche ich einen
Nachuntersuchungstermin?
Eine Nachuntersuchung ist wichtig, denn sie verschafft Ihnen Gewissheit
darüber, dass die Infektion ausgeheilt ist und Sie sich nicht neu
infiziert haben.
www.profamilia.de
www.bzga.de
©
Herbert Wagner, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe,
Eisenbahnstr. 52., 50189 Elsdorf, Tel.: 02274 7927, Fax: 02274 4534
http://www.HerbertWagner.de E-mail:
Herb.Wagner@t-online.de
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